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Atlas der abgelegenen Inseln: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde von Judith SchalanskyGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 34,00, Angebote ab EUR 30,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481179, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 5. |
5 Kundenrezensionen:Geburtstagsgeschenk 5 von 5 PunktenAuf den Tipp einer Freundin hin bestellte ich den Atlas der abgelegenen Inseln als Geburtstagsgeschenk für meine Schwester. Die Idee war so gut, dass ihr das Buch doppelt geschenkt wurde. Obwohl es sehr abwechslungsreiche und auch informative Geschichten enthält, wurde eins wieder umgetauscht. Mit dem übrig gebliebenen ist meine Schwester glücklich und zufrieden. Leider keine Bilder drin 4 von 5 PunktenIch hab mir dieses Buch geholt und wollte es eigentlich ursprünglich verschenken. Es gefiel mir allerdings beim Durchblättern so gut, dass ichs dann doch für mich behalten habe. An sich ist dieses Buch ein sehr außergewöhnliches Buch und ist für alle Menschen geeignet, die Karten lieben. Auf jeder Doppelseite ist jeweils eine Insel mit Karte und einem Text dazu. Der Text ist unterschiedlich. Mal ist er geschichtlich, mal eine Anekdote oder mal eine Auszug aus einem Logbuch. Insgesamt sehr spannend gehalten. Mein einziges Kontra ist, dass keine Bilder darin sind. Aber vielleicht hätte das auch den Stil des Buches zerstört. Mein Tipp: Einfach, nachdem man etwas über eine Insel gelesen hat, mal bei Wikipedia nachblättern. In Kombination sehr interessant. -> Kaufempfehlung, gut als Geschenk geeignet! Moderner Karl May 2 von 5 PunktenIn Anlehnung an Dr. T. möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass ich gelernter (studierter) Geograph bin und auch vieles von der Welt gesehen habe. Mir kommt es vor, als ob die Autorin den Versuch unternommen hat, möglichst unbekannte Eilande dem geneigten Leser nahezubringen - Eilande, von denen er in den meisten Fällen vermutlich nie etwas gehört hat, geschweige denn, jemals diese bereisen wird. Allerdings: Frau Schalansky war ebenfalls noch nie dort und hat ihre Erkenntnis bestenfalls aus Wikipedia oder irgendwelchen (kruden?) Nachschlagewerken gewonnen. Es kommt mir vor, als ob sie - wie anno dazumal Karl May - den Unwissenden die Welt erklären will. K.M. war zu Beginn seiner Schilderungen noch nie in Amerika, Afrika oder wo auch immer gewesen. Trotzdem hat er es geschafft, die Leser dank seiner Phantasie in den Bann zu ziehen - und Dank der sehr schönen Gestaltung/Typografie und des flüssigen Schreibstils schafft auch Frau Sch. das Gleiche. Man kann es gut finden, muss es aber nicht.... Richtig Retro 3 von 5 PunktenEin sehr spezielles und elegantes Buch allerdings ist der Preis dafür doch deutlich zu teuer. Man kann auch insellos glücklich sein 5 von 5 PunktenDas schönste am Reisen ist das Planen, bei dem was danach kommt wird man in der Regel enttäuscht, außer man kennt sich aus und weiß was einen erwartet. Bei einem der schönsten Reisebücher der letzten Jahre, Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Insel, macht sich die Autorin nicht mal die Mühe, die von ihr aufgelisteten und liebevoll kartographierten 50 Inseln aufzusuchen, zu unwirtlich, zu mühsam die Anfahrt, zu schaurig die Geschichte, dass sie auf den letzten Teil der Reise, wie die Ameisen bei Ringelnatz, die nach Australien reisen wollten, verzichtet. Nicht weil ihr die Beine wehtun, sondern weil die Phantasie manchmal ein treuerer Reisegenosse ist. |
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Die Sprache des Windes: Wie ein Admiral aus dem 19. Jahrhundert Wissenschaft in Poesie verwandelte von Scott HulerGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 23,00, Angebote ab EUR 17,16 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481144, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 2. |
3 Kundenrezensionen:Schöner Band, enttäuschender Inhalt 2 von 5 PunktenIch habe das Buch zu Weihnachten bekommen, weil bekannt ist, dass ich mich als begeisterter Segler für alles interessiere, was mit Wind zu tun hat. Das Buch vom Mare Verlag ist ansprechend gestaltet und ich stürzte mich sofort drauf. Ich erwartete mir eine faszinierende Mischung von Biographie und literarischer Gestaltung wie etwa in Sten Nadolnys "Entdeckung der Langsamkeit" oder Erskine Childers' "Das Rätsel der Sandbank", um nur zwei Beispiele zu nennen. Meine Erwartungen wurden aber so sehr enttäuscht, dass ich jetzt - ganz entgegen meinen sonstigen Lesegewohnheiten - auf Seite 204 aufgegeben habe. Es ist die Geschichte eines Journalisten, der eher zufällig auf Beauforts Windskala gestoßen ist und sich in dieses Thema verbissen hat. Als leider eher unbedarfter Forscher versucht er, die Entstehung und die Bedeutung der Skala aufzudecken. Dabei gibt er aber auf, sobald sich ein Widerstand oder eine Unklarheit zeigt und fängt irgendwo anders an zu recherchieren. Dadurch kommt es zu unzähligen Wiederholungen, Details werden breit ausgewalzt, überhaupt hat der Text etwas Zufälliges, er ähnelt einem ausgeschütteten Zettelkasten eher als einem durchkomponierten Text. Ärgerlich sind die Abbildungen: Reprints der Beaufortskala in verschiedenen Publikationen mit minimalen Änderungen und Karten Beauforts sind so klitzeklein abgedruckt, dass es unmöglich ist, darauf irgendetwas zu erkennen. Unerträglich ist dann die Passage, wo der Autor beschreibt, wie er auf dem Großsegler "Europa" eine Woche ohne Wind verbringt, und wo er dann versucht das Erlebnis des Segelns in Worte zu fassen. Wenn ich keinen blassen Schimmer von Autos habe, schreibe ich nicht über die Formel 1! Ich glaube kaum, dass ich noch die Energie aufbringen werde, mich durch die restlichen 70 Seiten (bis zu den Anhängen) durchzuquälen. Die Sprache des Windes 5 von 5 PunktenNorthumberland Square: Schnur der Fahnenstange flattert, schlägt aber nicht gegen den Mast Scott Huler auf den Spuren Beauforts. Die Windscala steht im Mittelpunkt des Buches. Huler verfolgt ihre Geschichte mit großer Leidenschaft. Er hat ein gelehrsames Buch nicht nur über die Beaufort-Scale geschrieben. Nein, die Ausflüge in die Wissenschaftsgeschichte sind ebenso lesenswert. "Eine kalte Luftmasse rückt auf eine warme vor und die Turbulenzen an deren Grenze verursachen Stürme. Diese Theorie entwickelte erstmals der norwegische Meteorologe Vilhelm Bjerknes während des ersten Weltkrieges (!). So lag es nahe, dass er die unbeständigen Grenzen dieser Luftmassen als Fronten bezeichnete." Immer wieder stellt er die deutliche, sämtliches Überflüssiges weglassende Sprache der Beaufort Skala (sie kommt mit 110 Wörtern aus) in den Vordergrund. Er zeigt auch auf, welche Bedeutung z.B. die Standardisierungsbemühunngen im 19. Jahrhundert für die Entwicklung u.a. auch für die Naturwissenschaften hatte. Das Buch bringt viel Lesevergnügen und, wenigstens für mich, viel Wissenszuwachs! Ein Admiral des 19. Jahrhunderts und seine poetische Sprache 5 von 5 PunktenDas vorliegende Buch von Scott Huler setzt sich auf die Spur von Admiral Francis Beauforts, einem Seefahrer des 19. Jahrhunderts und intellektuellem Feingeist. Scott Huler beschreibt dabei gekonnt die Stimmung und gibt auch die wissenschaftliche Präzision wieder, derer sich Admiral Beaufort so oft bediente. Mit dem Roman DIE SPRACHE DES WINDES wird der Bereich Seefahrt und Wissenschaft zusammengeführt - das Ergebnis ist eine unbezähmbare Leidenschaft alles Seefahrerische in Kategorien und Skalen zu bannen. Woher kommt die Beaufort Skala? Warum entschloss sich der ansonsten sehr schweigsame und stille Beaufort zu einer solchen Skala und woher nahm er die fast philosophisch anmutenden Beschreibungen? Teils sehr knapp und doch so treffend, so charakterisierte Beaufort den Wind in all seinen Ausprägungen. Das Buch DIE SPRACHE DES WINDES von Scott Huler nimmt sich einesteils die Lebensgeschichte des Admirals Beaufort vor und führt und interessant und mit viel Zuneigung durch dieses besondere Leben. Doch auch die Skala und die von Beaufort entwickelten Instrumente und sonstigen Errungenschaften sind Teil dieses guten Buches. Es ist sehr interessant dieses Leben so offen zu sehen und darin herum zu blättern und mit Scott Huler ist jemand dazu berufen worden, welcher selbst den Wind verehrt und zudem Beaufort mag. Scott Huler hat gut recherchiert, er hat es verstanden seine Fakten und sein Wissen positiv und leicht in einen Buch wie DIE SPRACHE DES WINDES umzusetzen. Mir persönlich hat dieses Sachbuch gut gefallen, es hat mir Admiral BEAUFORT nahe gebracht, ich kann nun diese historische Gestalt besser fassen und habe sie auch schätzen gelernt. Die Sprache des Windes ist manchmal wie ein säuseln, wie leichte Schaumkronen auf dem Meer, doch es kann auch ein tiefes Stöhnen daraus werden, als wären die Pforten der Hölle geöffnet. Wer Wind mag, wird Beaufort leiben, doch wer auch den Sturm schätzt, erkennt das Potential dieses Buches und die Arbeit von Scott Huler, welche darin zum Ausdruck kommt. Sehr empfehlenswert! |
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Die Prinzeninseln von Joachim SartoriusGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 18,00, Angebote ab EUR 13,50 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481160, Erscheinungsdatum: August 2009, Auflage: 2. |
2 Kundenrezensionen:Einzigartig 5 von 5 PunktenWenn ein wirklich toller und informativer Exkurs über die Inseln gewünscht ist, dann kauft euch dieses tolle Werk! Das Paradies - ohne Autos! 5 von 5 PunktenEin wirklich wunderschönes Buch! Auch ohne Bilder erzählt Sartorius sehr plastisch. Eine ehemals multikulturelle Welt - ohne Autos! Mit Pferdedroschken, die auch noch leise sind, da die Pferde nicht mit Metall, sondern mit Gummi beschlagen sind! Wie schön wären unsere Städte ohne Autos und nur solchen Droschken! Doch das ist natürlich nur ein Detail in diesem sympathischen Buch über diese außerordentlichen Inseln vor der Haustür Istanbuls. Jedem, der sich für die Türkei interessiert, unbedingt zu empfehlen. |
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Oceano Mare: Das Märchen vom Wesen des Meeres von Alessandro BariccoTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,50, Angebote ab EUR 1,98 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423135336, Erscheinungsdatum: Januar 2007 |
Aus der Amazon.de-RedaktionIn Alessandro Bariccos gefeiertem Debütroman war es Seide, die eine tödliche Anziehungskraft ausübte. Diesmal ist es das Meer, dessen feuchte Reize eine ganze Reihe von Charakteren dazu bringt, im abgelegenen Gasthaus Almayer Inn zusammenzukommen. Unter den Gästen befinden sich eine Ehebrecherin, ein exzentrischer Professor und ein Maler mit einer ausgesprochenen Vorliebe für Metaphysik. Bald gesellt sich auch noch die schöne junge Tochter eines örtlichen Aristokraten dazu, die an einer geheimnisvollen Krankheit leidet. Aber im Grunde leiden all diese Charaktere an irgendeiner Form von Krankheit -- psychologischer, existenzieller oder erotischer Natur -- so dass das Almayer Inn zu einer Art Zauberberg mit Meeresblick wird. In seiner italienischen Heimat ist Baricco ein bekannter Opernkritiker. Vielleicht ist das der Grund für seine Liebe zu sprachlichen Arien, die die Handlung von Oceano Mare manchmal überdecken. Wenn Baricco allerdings richtig in Schwung kommt, ist sein kompliziert gearbeiteter Erzählstil ein wahrer Genuss. Sogar das Gasthaus selbst, einsam auf einer Klippe gelegen, bekommt den roten Teppich ausgerollt: "So alleine stand es da, wie vergessen. Es war fast so, als hätte eine ganze Prozession von Gasthäusern, jeglichen Baustils und Alters, irgendwann einmal diesen Ort passiert, auf ihrem Weg die Küste entlang, als eines davon, aus Müdigkeit, sich vom Rest absetzte und, während seine Reisegenossen vorbeimarschierten, sich entschloss, sich auf dieser leichten Erhebung niederzulassen, sich seiner eigenen Schwäche beugend, sich verneigend und sich auf das Ende vorbereitend". In den besten Passagen erinnert Baricco an Italo Calvino -- er demonstriert die gleiche Freude an eleganten Rätseln und rokokohaftem Erzählstil. Hier und da verschwindet Oceano Mare in einer Sackgasse, und die Schwäche des Autors für typographische Tricks hilft dabei wenig. Trotzdem, Bariccos Roman ist ein erfrischender Sprung in "das Meer der Erzählung", wie Christina Stead es nannte -- sowie eine intelligente Entdeckungsreise in die litorale Wahrheit. --Bob Brandeis 5 Kundenrezensionen:ein wunderbar poetisches buch 5 von 5 Punktendas buch kann ich nur wärmstens empfehlen, ich habe es an einem wunderschönen strand im urlaub gelesen und mich einfach verzaubern lassen. die poetische sprache und erzählweise ist anfangs ungewöhnlich, doch hat man erst ein paar seiten gelesen, dann kann man das buch nicht mehr weglegen. im nachhinein habe ich manche stellen sogar ein zweitesmal gelesen und war sehr beieindruckt von den erzählfäden die zusammenlaufen, sowie auch von den dialogen. 5 sterne!!! Was ist das Meer, wenn nicht Bariccos Ozean Meer? 5 von 5 PunktenBariccos meisterhafte Erzählung gehört seit seinem Erscheinen zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Hier stimmt einfach alles: der Tonfall, die einzelnen Fäden, die er zu einem großen Crescendo an einem Ort zusammenführt, der für jeden ein Zimmer bereithält - selbst die Pausen, Andeutungen, Auslassungen klingen voller Wucht nach und erzählen meer Geschichten. Der Text verlangt dem Leser viel ab, belohnt ihn zugleich aber mit Sätzen von unendlicher Klarheit und Schönheit, von denen man sich direkt nach der Lektüre fragt: Wo haben die sich nur all die Zeit versteckt? Bariccos Gespühr für Musikalität und lyrische Ausdrucksformen findet seinen Höhepunkt in dem zweiten Teil von Oceano Mare, dem Leib des Meeres. Um die hier geschaffene lyrische Prosa wertschätzen zu können, sollte man sie sich von einem fähigen Vorleser mal zu Gehör bringen lassen. Wellengleich trägt der Rhythmus bizarre Grausamkeiten in den Kopf die zugleich von einfach absurder Schönheit sind. An dieser Stelle ein Kompliment an die Deutsche Übersetzung, die wirklich meer als gelungen ist. Fazit Wer Mumm hat und sich weder vor Schönheit, noch vor Sätzen fürchtet, die er selbst gerne zu Ende gebracht hätte, der findet hier einen Text, der in einem Atemzug mit Melvilles Moby Dick, Hemingways Altem Mann und das Meer und Yasar Kemals Zorn des Meeres zu nennen ist. im Übrigen seien diese Bücher auch allen ans Herz gelegt die auf meer als eine Art zum Mehr reisen wollen. Alessandro Baricco: Oceano Mare 5 von 5 PunktenAlexandra Kelpin, Rezensentin der Goettinger Zeitschrift fuer neue Literatur, hat bravouroes auf das zweite Buch des Romans hingewiesen: "Der Bauch des Meeres" zeigt das Meer tatsaechlich als verschlingendes Ungeheuer - "jetzt sterben ich sterbe...". "Hunger, und das siebte ist Entsetzen, das Entsetzen, das nachts ausbricht...", A. Baricco. Gute Buecher ueberdauern ihre Zeit. Obwohl "Oceano Mare" bereits 1993 veroeffentlicht wurde, ist es aktueller denn je. Nur wenige Schriftsteller setzen sich mit der Grausamkeit des Meeres auseinander. So sei diese Notiz all den ertrunkenen Kindern und Jugendlichen vor Lampedusa gewidmet, "waehrend weitere 40 Einwanderer und Muetter in den Fluten versinken - darunter mindestens zehn Minderjaehrige...", obwohl viele Fluechtlingsraete bereits vor Jahren vor der zunehmenden Militarisierung des Problems gewarnt hatten. Matthaeus 27, 24. Da nahmen sie Wasser in Bruessel, Berlin und Rom und wuschen sich die Haende vor dem Volk und sprachen: Wir sind unschuldig an ihrem Blut. "Das erste ist mein Name, das zweite diese Augen, das dritte ein Gedanke", Alessandro Baricco, Oceano Mare. v Zweiter Erfolg eines extravaganten Erzählerkünstlers 4 von 5 PunktenIn diesem ?Märchen", seinem zweiten Werk, das 1993 erschien, thematisiert der Autor Alessandro Baricco das ?Wesen des Meeres" und dessen Einfluss auf das Leben einiger Personen mit ungewöhnlichen, alltagsfernen Problemen und Konflikten. Da ist Plasson der Maler, früher allseits bekannt für seine exzellenten Portraits von Menschen, jetzt damit beschäftigt, das Meer - ohne die Hilfe einer Farbpalette, aber dafür mit Meerwasser - auf Leinwände zu malen. Doch so wie sich die menschlichen Augen für ihn als ?Anfang" einer Portraitzeichnung erwiesen, ist es Plasson nun überlassen, ?den Anfang deshe nach ?dem Ende des Meer Meeres" ausfindig zu machen, um tatsächlich mit seiner Malerei beginnen zu können. Professor Bartleboom hingegen ist auf der Suces", um es in seiner ?Enzyklopädie der in der Natur feststellbaren Grenzen" per Definition festhalten zu können und abgesehen davon ist er auf der Suche nach der Frau seines Lebens, für die er schon seit Jahren Briefe verfasst. Enorm einfühlsam schildert der Autor die Empfindlichkeit der zarten, 15-jährigen Elisewin. Sie ist die Tochter des Herzogs von Carewall und folgt dem Rat des berühmtesten Arztes im Land um zu genesen. Deshalb reist sie in Begleitung des freundlichen, den Herzog beratenden Gebetsschreibers Pater Pluche ans Meer, um die vollständige Heilung von ihrer zerbrechlichen Beschaffenheit zu erreichen. Die attraktive Ann Deverià wurde von ihrem Mann an den Ozean geschickt, um sie von der ?merkwürdigen Krankheit Ehebruch" zu heilen. Er ?meint, dass das Meeresklima die Leidenschaft einschläfert, dass der Anblick des Meeres das ethische Bewusstsein beflügelt und die Einsamkeit des Meeres dazu führt, dass sie ihren Geliebten vergisst." Nach einem Schiffbruch kämpfen Besatzung und Passagiere auf einem Floß irgendwo auf dem Meer ums nackte Überleben. Mitten in der Menge befindet sich Savigny, ein hochgeschätzter Arzt, der sich jedoch im Laufe des Geschehens auf dem offenen Meer verändert und den geheimnisvollen Steuermann Thomas (später Adams genannt) zu einem Racheakt veranlasst. Alle genannten Personen treffen in Quartel, genauer gesagt in der Pension Almayer aufeinander. Kunstvoll verwebt der ?Seide"-Autor die Einzelschicksale ineinander - die Personen, die voller Fragen und Sehnsüchte in dieses Haus gelangen, beginnen voneinander zu profitieren. Der Roman besteht aus drei Büchern, die diese Ausgabe selbstverständlich alle beinhaltet. Rein chronologisch betrachtet gehört das zweite Buch vor das erste, doch um die Spannung zu steigern und die Handlungsströme besser ineinander fließen zu lassen, hat der Schriftsteller die Reihenfolge geändert. Barricos Markenzeichen erstrahlen auch in diesem Roman - der noch vor ?Novecento", ?Seide" und ?City" erschien - in gewohntem Glanz: Die fesselnde, eigentlich knappe und dennoch sehr präzise Erzählweise - nur 29 Seiten benötigt er für die ausführliche Entfaltung eines Horrorszenarios auf hoher See - wie man sie auch in ?Novecento" und ?Seide" kennen lernt. Auch die Verschrobenheit, die in ?City" am deutlichsten wieder aufgegriffen wird und die poetisierte Philosophie - die sich über den Großteil seiner Werke erstreckt. Ungewöhnlich dagegen ist die metaphysische Ebene auf die Baricco an manchen Stellen des Romans zusteuert, weshalb der Begriff ?Märchen" im Untertitel wohl umso gerechtfertigter erscheint. Nur äußerst selten stößt der Roman auf kleine Eisberge, wenn Steuermann Baricco bei der Beschreibung des Meeres kurzzeitig ins Theatralisch-Unverständliche abrutscht oder wenn die Problemlösung, die Plasson unmittelbar vor seinem Tod einfällt, ein wenig einfallslos wirkt. Diese geringen Schwächen, die sich zwischen den üppigen Leckerbissen hervorheben, hindern dieses Buch daran, literarisches Meisterwerk zu sein. Nichtsdestotrotz ist es ein Roman erfüllt von echter Poesie und Abenteuern, die keiner anderen Phantasie als der des kreativen Alessandro Baricco entspringen können. Märchenhaft 5 von 5 PunktenEin wirklich sehr schönes Buch. Die Art und weiße wie Alessancro Baricco die einzelnen Erzählstränge erst komplett unabhängig und isoliert von einander einführt und dann zu einem abgerundeten ganzen Bringt ist wirklich meisterhaft. Die Sprache und allein die Form wie sie Niedergeschrieben ist, ist ungewöhnlich und wirkt zwar zunächst etwas befremdlich, kann dann aber um so mehr begeistern. Die Personen sind allesamt interessant, ungewöhnlich und haben etwas mystisches an sich. Dies passt sehr gut zur Grundstimmung des Buches. Es ist einfach durch und durch stimmig und enzieht sich einer genaueren Beschreibung. Einfach lesenswert! |
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Ein anderes Meer von Claudio MagrisTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,90, Angebote ab EUR 3,45 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423138750, Erscheinungsdatum: Sept. 2009 |
Eine Kundenrezension:Tugend bringt Ehre 4 von 5 PunktenDas Buch beginnt damit, daß es eine fast absolute Vorgabe enthält ( Tugend bringt Ehre, heißt es da ) und dieser Vorgabe bedient sich der Protagonist. Claudio Magris aus Triest beschreibt die ganz eigentümliche Geschichte von Enrico Mreule aus Görz, der während seines ganzen Lebens danach trachtet, völlig absolut zu sein. Als Gaucho in Patagonien zu Beginn des ersten Weltkrieges, dann zurückgekehrt und im Amt ( als Lehrer ) in seiner alten Heimat, immer sucht er sein ( absolutes! ) Ziel zu erreichen. Einmal meint er gar, das Nichtsein sei eigentlich erstrebenswert ( welch eine Erkenntnis! ) und Buddha`s Leben nachahmenswert. Sein Freund Carlo stirbt während seines Patagonienaufenthaltes, doch es scheint ein furchtbar freiwilliges Aus- dem- Leben-Scheiden zu sein ( Vorahnung kommenden Unheils für die jüdischen Mitbürger? ). Wohl hat Enrico eigentlich nichts gegen Menschen einzuwenden, trotzdem geht er gern alleine seine eigenen Wege ( am Strand der Adria bei Salvore, jetzt Savudrija benannt ). Hier ist die Welt in jener Ordnung, die er liebt. Und auch heute noch erzählen uns ( als gelentliche Besucher der Gegend um Piran ) der Wind, das Meer, die Menschen, somit die ganze Gegend etwas vom Sein in dieser ( heilen ) Welt. Ruhe heißt die Botschaft und: "Gedenkt der Menschen, die hier gelebt haben! " Jetzt sind es einpaar Menschen mehr, an die wir denken. Claudio Magris befleißigt sich eines Stils, den ich episch nennen möchte. Gedrungene Sprache, die viel abverlangt und dauernde Spannung erzeugt. Und diese Spannung wird aufrecht erhalten bis zum Schluß. Dramatik ist zu erkennen, genaues und sicheres Darstellen, viel Skizzenhaftes zwar, aber nicht verschwommen, alles gedrungen und perfekt. Zivilisation ist die Geschichte von Menschen, meint er einmal, die " unfähig sind, überzeugt zu leben." Mauern richten sie auf, sagt er dann, Mauern aus Rhetorik, kolossale Mauern. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Aber die Geschichte von Enrico Mreule aus Görz, der gerne, sehr gerne am Meer lebte und der die Gegend dort liebte, auch die Menschen, egal, ob sie Italiener, Slowenen, Kroaten oder Österreicher bzw. Deutsche waren, diese Geschichte ist nun nicht vergessen. Ein Buch für viele besinnliche Stunden für geduldige Leser mit Sinn und Humor für gelegentlich altphilologische Hinweise. |
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mare - Die Zeitschrift der Meere: Leben im Meer: No 66Gebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,50, Angebote ab EUR 2,20 ISBN: 3936543569, Erscheinungsdatum: Februar 2008, Auflage: 1., Aufl. |
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Bretagne von Mathias Bothor, Nikolaus Gelpke, Jan Keith, Martina WimmerGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 58,00, Angebote ab EUR 34,66 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866480075, Erscheinungsdatum: Sept. 2009 |
Eine Kundenrezension:Am Horizont ist Amerika zu erahnen 5 von 5 PunktenFinis Terrea. Weltende. Hier ging es lange Zeit nirgendwo hin, bis zur Entdeckung Amerikas vor nicht einmal 600 Jahren. Daraus ergab sich die Möglichkeit zur Flucht über den Ozean in die Freiheit vor Hunger und vor Verfolgung durch Kirche und Politik. Die Bretagne ist von drei Seiten von Brandung umspült. Kein Ort dieser westlichsten Halbinsel Europas ist weiter als 60 Kilometer vom Meer entfernt. Keltischen Ursprungs der frühere Name "Aremorica" = Land des Meeres, wie man auch wunderbar in "Die Druiden" von Istin, Jigourel und Lamontagne nachlesen kann. Die Vorfahren waren über das Wasser gekommen - von den Britischen Inseln. Sagenumwogen die Erzählungen aus dem Brocéliande, dem bretonischen Forst. Berühmteste Vertreter dürften Asterix und Obelix gleich nach Merlin und dessen Geliebter Viviane sein. Bis 1951 war es nicht erlaubt, Bretonisch zu sprechen. Nach 1945 wurden 819 Männer hingerichtet, manche nur, weil sie bretonische Bücher besaßen. Ein gewisser Eigensinn und eine gewisse Sperrigkeit scheint den Einwohnern der Bretagne anzuhaften. Schon gut 100 Jahre vor der Französischen Revolution haben die bretonischen Bauern gegen drückende Steuerlast und Klassenunterschiede rebelliert. Einen Eindruck von dieser schroffen Landschaft und seinen nonkonformistischen Einwohnern vermittelt uns dieser sehr gelungene Bildband des Berliner Fotografen Mathias Bothor. Gar nicht herausgeputzt präsentieren sich die Ortschaften und Menschen, sondern ganz natürlich. Eigentümliches Licht auf den Fotografien - Dunkelheit und Helligkeit zugleich: Regenwolken über Brest, Wolkengebilde über aufgepeitschter See, Licht und Schatten. Skurrile Felsformationen dürfen nicht fehlen - ein Haus zwischendrin, wenig Grün, Grau- und Brauntöne überwiegend und das Grau-Grün-Blau des Meeres. Trockengefallene Boote - der Tidenhub kann an der Atlantikküste bis zu 15 m betragen. Das entspricht einem vier- bis fünfgeschossigen Gebäude. Die Menschen zeigt Mathias Bothor in Schwarz-Weiß, was den Bildern eine gewisse Strenge, aber auch sehr viel Ausdruckskraft verleiht. Reduziert auf das Wesentliche. Werftarbeiter, ein Elektriker, ein Junge in Fußballkluft, eine Familie auf der Veranda, eine hübsche Bibliothekarin, zwei Auswanderer aus England, Fischer, eine Lehrerin beim Strandspaziergang, ein Ehepaar, das eine kleine Pension betreibt usw.. Ich finde diesen Bildband außerordentlich gelungen. Auf einer Landbrücke ist ein villenähnliches, einsames Haus zu sehen. Das erinnert mich an den Film "Die Frau des Leuchtturmwärters" mit Sandrine Bonnaire, der z.T. auf der Insel Quessant vor Brest spielt. Dort umtost das Meer den Leuchtturm "La Jument". Nicht jedes einzelne Bild ist im Buch beschriftet. Man findet aber im Anhang eine Verkleinerung aller Fotografien mit erläuternden Untertiteln. Martina Wimmer von mare-online hat eine sehr schöne Einleitung über Land und Leute geschrieben. Eine Übersichtskarte findet man nach dem Vorwort. Ich bin beeindruckt. |
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mare - Die Zeitschrift der Meere: Die Öl-Connection: No 67Gebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,50, Angebote ab EUR 3,50 ISBN: 3936543577, Erscheinungsdatum: April 2008, Auflage: 1., Aufl. |
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mare - Die Zeitschrift der Meere: Malediven: No 64Gebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,50, Angebote ab EUR 2,50 ISBN: 3936543542, Erscheinungsdatum: Oktober 2007, Auflage: 1., Aufl. |
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Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow von William Lithgow, Roger WillemsenGebundene Ausgabe von MarePreis bei Amazon: EUR 24,00, Angebote ab EUR 14,53 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481128, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 2. |
4 Kundenrezensionen:Danke Mare! 4 von 5 PunktenWundervoll diese drei Reiseberichte! Witzige, wunderbar subjektive Ansichten einer Zeit, die uns so fern und manchmal wiederum so nah erscheint. Am Vorabend des 30jährigen Krieges wandert ein protestantischer Schotte einfach mal quer durch Europa, den nahen Osten und Nordafrika. Unglaublich !? Mein Dank gilt dem Mare-Verlag für die Übersetzung dieses Schatzes der Reiseliteratur und für den schönen Einband, den wunderbaren mehrfarbigen Schriftsatz und die Erläuterungen im Anhang. Für die absolut unpassenden Illustrationen, die den Gesamteindruck dann doch etwas trüben, gibt es einen Stern Abzug! Der erste Pauschal Tourist und streitbarer Charakter 4 von 5 PunktenDer erste Reisführer, erschienen lange bevor die Standardwerke der Touristik und Massenpauschaltouristen die Gestade fremder Weltmeere eroberten. DIE WUNDERSAMEN IRRFAHRTEN DES WILLIAM LITHGOW herausgegeben von Roger Willemsen entführt uns in die galle-bitteren Ansichten eines Schneiders, welcher zu Recht als der erste Pauschaltourist der Welt gelten darf. Anscheinend war das Werk bislang in Deutschland unbekannt und nicht in unsere Sprache übersetzt, daher erscheint es hier erstmals im Mare Buchverlag. Als Pauschal Urlauber verteilte der Schneider William Lithgow auch gerne Pauschalurteile, diese dürften gerade heute dem ironisch gesinnten und durchaus auch noch heute überkritischem Pauschal - Touristen gefallen. Eines vorab gleich vorweg, der Protagonist WILLIAM LITHGOW ist ein ganz übler Zeitgenosse gewesen, voller Vorurteile, böser Vorahnungen und ein Rassist war er bestimmt auch - dennoch ist sein Reisebereicht eine Quelle der Freude, denn es ist wohl der erste Reisebericht eines ganz normalen Touristen in Europa und das vor dem 30jährigen Kriegs, Die Italiener allesamt verkommen, die Griechen Sodomiter und über die Araber und Jesuiten wollen wir erst gar kein Wort verlieren. WILLIAM LITHGOW hat wohl das loseste Mundwerk aller Zeiten gehabt, bitterböse Kommentare zu Madonnen, religiöser Verehrung und politischen Ansichten. Sprüche und bissige Bemerkungen auf jeder Seite und einen Schlag ins Genick für jedermann. Gegen alle Kritiker hat er ebenfalls geschossen, mögen sie allesamt tot umfallen und in nicht länger behelligen. WILLIAM LITHGOW der erste Kritiker wie er im Buche stand, keine Freunde, keine Feinde und ein böses Wort für und gegen alles. Wer allerdings einmal einen wirklich ungewöhnlichen Reisebericht lesen möchte und zudem ein paar sehr gelungene Illustrationen von PAPAN dazu sehen möchte, der wird mit DIE WUNDERSAMEN IRRFAHRTEN DES WILLIAM LITHGOW herausgegeben von Roger Willemsen vollauf begeistert sein. Empfehlenswert! Das nenne ich ein echtes Fundstück 5 von 5 PunktenIch habe dieses Buch eher zufällig, beim Rumstöbern gefunden und fand es gleich seltsam interessant. Und das ist es auch und überdies auch noch wahnsinnig unterhaltsam und witzig, weil absolut nicht p.c. Dieses Buch ist in jeder Hinsicht unglaublich: ziemlich genau 400 Jahre, nachdem der schottische Schneider William Lithgow in die Welt hinausgezogen ist, erscheinen seine Reiseerzählungen zum ersten Mal auf Deutsch. Man fragt sich, warum vorher noch keiner auf die Idee gekommen ist, das Buch herauszubringen, denn Lithgows Berichte heben sich wirklich ab vom Gros der Reiseliteratur er ist der Inbegriff der politischen Inkorrektheit Er flucht, statt zu preisen, das ist ein großer Spaß, genau wie die dazu passenden Illustrationen von Papan. Roger Willemsen hat ein schönes Vor- und Nachwort geschrieben eine runde Sache, dieses Buch, und ein ideales Weihnachtsgeschenk!! Ein Schneidergeselle mit abgeschnittenen Ohren 4 von 5 PunktenWilliam Lithgow war schottischer Schneiderjunge, Weltreisender und Reiseschriftsteller. Er soll angeblich 58.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben. Als er im Jahr 1603 als 21Jähriger unter einem Fenster seine Liebste besang wie einst Romeo seine Julia, schnitten ihm die Brüder der Angebeteten beide Ohren ab. William beschließt daraufhin, in den Orient aufzubrechen, um den Verlust der Ohren unter einem Turban verstecken zu können. Seine Wanderungen führten ihn quer durch Europa, Arabien, Ägypten und Abessinien. Sein Reisetagebuch ist in England erstmals im Jahr 1632 erschienen, wurde dann verschiedentlich neu aufgelegt und erscheint nun zum ersten Mal in deutscher Sprache. Als Herausgeber dieses eigensinnigen und kuriosen Reiseberichts konnte Roger Willemsen gewonnen werden, der ein sehr informatives und kurzweiliges Geleitwort verfasste, das auch ein Portrait des William Lithgows beinhaltet. William Lithgow besaß zweifelsohne eine scharfe Beobachtungsgabe, neigte aber gerne zu Pauschalurteilen und leicht galliger Misanthropie, was aber wiederum die unfreiwillige Komik dieses Buches ausmacht. Zur damaligen Zeit war das Reisen natürlich strapaziös und entbehrungsreich und William Lithgow musste so manche Demütigungen und Gewalttätigkeiten bis hin zur Folter der spanischen Inquisition ertragen. Doch war er ein Stehaufmännchen, trotzte allen Widrigkeiten und kehrte von seinen drei Reisen stets lebendig, wenn auch lädiert zurück. Lithgow nimmt kein Blatt vor dem Mund und seine kultiviert gepflegten Vorurteile, bösen Vorahnungen, drakonischen und polemischen Ansichten sind manchmal penetrant, aber eben auch erfrischend gewitzt und makaber. Er ist ein Querulant und ewiger Besserwisser, doch auch dankbare, versöhnende und lobende Worte finden sich an mancher Stelle. Natürlich nicht zu viel, denn Hohn und Häme kehrten stets zurück, egal ob Katholiken oder Türken, Italiener oder Griechen, ihr Fett bekommen sie alle ab. Die wundersamen Irrfahrten des negativen Odysseus" sind eine erheiternde und ungewöhnliche Leseerfahrung und vermitteln ein Bild der Welt des 17. Jahrhunderts, die ein schrulliger Schotte bereist, lamentierend und doch interessiert. |
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