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Atlas der abgelegenen Inseln: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde von Judith SchalanskyGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 34,00, Angebote ab EUR 27,99 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481179, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 7. |
5 Kundenrezensionen:urlaubsplacebo 5 von 5 Punktendie urlaubszeit neigt sich dem ende zu. auch meiner ist schon vorbei und nun gilt es dann und wann, die zeit bis zum nächsten zu überbrücken bzw. zu verschönern. für genau diesen zweck ist dieser äußerst originelle atlas wohl geschaffen worden. die autorin hat sich bemüht, weitgehend unbekannte destinationen, die auch heute noch nur sehr schwer erreichbar sind, ausfindig zu machen und entsprechend zu recherchieren. so gibt es zu jeder dieser 50 inseln eine karte mit der jeweiligen lage und teils skurile, teils interessante, teils schrullige geschichten rundherum. mutig finde ich ja, dass die autorin zugibt, nicht direkt vor ort gewesen zu sein und bleibt somit offen, auf welche weise sich ein persönlicher lokalaugenschein auf den inhalt ausgewirkt hätte. wer ernsthafte reiseberichte und tatsachenberichte erwartet, wird hier enttäuscht werden - geht es hier doch um das genaue gegenteil davon! im zuge der lektüre verfestigt sich jedoch leider die erkenntnis, dass man selber wohl auch niemals auf einer dieser inseln stehen wird, wodurch es zu leichten schwermutsanfällen kommen kann oder aber zu einer trotzreaktion: jetzt habe ich zwar überhaupt keine zeit dazu, aber wenn ich mal in rente bin, dann fahr ich da überall hin, ganz, ganz sicher! das buch wirkt also wie ein lottoschein - bietet es doch für einen geringen obulus anlass zu träumen. beim lottoschein dauert es aber nur drei tage bis diese platzen (dafür sind sie ja auch entsprechend billiger), hier kann man viel länger hoffen... Fast schon perfekt 4 von 5 PunktenGut an dem Buch ist, daß es schön geschrieben ist, daß es ein Thema aufgreift, das wohl viele in sich tragen (Sehnsucht nach einsamer Insel, Flucht aus dem Alltag). Auch die Karten sind akzeptabel, mit Maßstab versehen, alle miteinander vergleichbar, und auf dem aktuellen Stand (soweit dies mit Google Earth nachprüfbar ist). Ob es sich jedoch um eine grüne Insel, ein staubiges Eiland oder eine Eiswüste handelt, verraten die Karten nicht. Dennoch wirken Sie auf dauer auch etwas farblos, aber vielleicht soll das den künstlerischen Anspruch des Werkes unterstreichen. Auch der Einband ist optisch und handwerklich makellos. Ob einem das im gesamten Buch sehr dominate Orange gefällt sein dahin gestellt. Die Texte sind schöne Geschichten, vieleicht korrigieren Sie etwas die Sichtweise, die man so hat von einsamen Inseln und der Wunsch, dort lange Zeit zu sein wird immer kleiner, je weiter man ließt. Naja, vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten beschriebenen Inseln unbewohnt sind, und das aus gutem Grunde. Für alle, die gerne unterwegs sind, und sie es nur in der Vorstellung, ein hervorragend geeignetes Geschenk, 5 von 5 PunktenDies ist ein wunderbares Buch für alle Globetrotter und die, die immer schon davon träumten einer zu werden. Judith Schalansky entführt in ihrem "Atlas der abgelegenen Inseln" ihre Leser zu "Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde". Getrennt nach den Ozeanen, in denen sich die beschriebenen kleinen Inseln verlieren, druckt sie auf der rechten Bildseite jeweils eine Landkarte der teilweise unbewohnten Inseln ab, und beschreibt die Kulturgeschichte der Inseln auf der linken Seite. Seltsame, seltene Geschichten sind das von seltenen Tieren und seltsamen Menschen. Da wird erzählt von gestrandeten Sklaven und Entdeckern, einsamen Naturforschern und vergessenen Schiffbrüchigen. Das ganze, im übrigen extrem erfolgreiche (schon in der 7. Auflage!)Buch zeigt wieder einmal, dass man auch mit dem Finger auf der Landkarte auf Abenteuerreisen gehen kann. Es ist für alle, die gerne unterwegs sind, und sie es nur in der Vorstellung, ein hervorragend geeignetes Geschenk. unterkühlt 2 von 5 Punkteneine solide gestaltete typografische arbeit. ein schönes buch, das in jede werbeagentur gehört. und marktschreierisch sprachgewandt formuliert die autorin auch ihre texte - jedoch emotionslos und aus zweiter hand. ja. klar. es geht um geschichten. und je spektakulärer, umso besser. «paradise lost» schöngeistig als inselatlas verpackt. ein intellektualisiertes werk, das dem leser weismachen will, wie unnötig die eigentliche authentische reiseerfahrung heute geworden ist. hier wird pauschalisiert und mit vorurteilen nicht gegeizt. frau schalansky outet sich als bekennende nesthockerin. hauptsache daheim, vertraut und gemütlich. sie reist im kopf und das genügt ihr in ihrem jungen alter. sie bezieht ihre informationen aus dem internet, aus bibliotheken, archiven und medien - und lässt andere für sie reisen. gefilterte informationen und daten also unterkühlte historische fakten ohne bezug zur eigenen erlebten erfahrung. wie kopflastig und emotionslos. schade. ich wünschte ihr, sie hätte diese inseln bereist, um ihre argumente selber als oberflächliche kitschkultur zu entlarven. wer reist, bewegt sich, verändert sich, ist gezwungen, sich anzupassen, denkmuster zu redimensionieren, anderen menschen konstruktiver zu begegnen, begibt sich in eine abhängigkeit mit den elementen, mit der gegenwärtigkeit, mit der unabhängigkeit, freiheit. mag sein, dass das für gewisse menschen zu anstrengend ist. Ein wunderschönes Buch 5 von 5 PunktenEs ist schade, dass es keinen "Blick ins Buch" gibt! Es ist wunderschön! Zwar wird niemand ein Buch über Inseln brauchen, die unbereisbar sind, aber es lohnt trotzdem! Es hinterlässt einen Gefühl von Fernweh und Abenteuerlust und Verwunderung darüber, dass, in der so klein gewordenen Welt, es noch Inseln gibt die kaum jemand freiwillig betreten würde. Ein tolles Geschenk für Reiselustige, die schon überall waren und alles haben! |
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Oceano Mare: Das Märchen vom Wesen des Meeres von Alessandro BariccoTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 3,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423135336, Erscheinungsdatum: Januar 2007 |
Aus der Amazon.de-RedaktionIn Alessandro Bariccos gefeiertem Debütroman war es Seide, die eine tödliche Anziehungskraft ausübte. Diesmal ist es das Meer, dessen feuchte Reize eine ganze Reihe von Charakteren dazu bringt, im abgelegenen Gasthaus Almayer Inn zusammenzukommen. Unter den Gästen befinden sich eine Ehebrecherin, ein exzentrischer Professor und ein Maler mit einer ausgesprochenen Vorliebe für Metaphysik. Bald gesellt sich auch noch die schöne junge Tochter eines örtlichen Aristokraten dazu, die an einer geheimnisvollen Krankheit leidet. Aber im Grunde leiden all diese Charaktere an irgendeiner Form von Krankheit -- psychologischer, existenzieller oder erotischer Natur -- so dass das Almayer Inn zu einer Art Zauberberg mit Meeresblick wird. In seiner italienischen Heimat ist Baricco ein bekannter Opernkritiker. Vielleicht ist das der Grund für seine Liebe zu sprachlichen Arien, die die Handlung von Oceano Mare manchmal überdecken. Wenn Baricco allerdings richtig in Schwung kommt, ist sein kompliziert gearbeiteter Erzählstil ein wahrer Genuss. Sogar das Gasthaus selbst, einsam auf einer Klippe gelegen, bekommt den roten Teppich ausgerollt: "So alleine stand es da, wie vergessen. Es war fast so, als hätte eine ganze Prozession von Gasthäusern, jeglichen Baustils und Alters, irgendwann einmal diesen Ort passiert, auf ihrem Weg die Küste entlang, als eines davon, aus Müdigkeit, sich vom Rest absetzte und, während seine Reisegenossen vorbeimarschierten, sich entschloss, sich auf dieser leichten Erhebung niederzulassen, sich seiner eigenen Schwäche beugend, sich verneigend und sich auf das Ende vorbereitend". In den besten Passagen erinnert Baricco an Italo Calvino -- er demonstriert die gleiche Freude an eleganten Rätseln und rokokohaftem Erzählstil. Hier und da verschwindet Oceano Mare in einer Sackgasse, und die Schwäche des Autors für typographische Tricks hilft dabei wenig. Trotzdem, Bariccos Roman ist ein erfrischender Sprung in "das Meer der Erzählung", wie Christina Stead es nannte -- sowie eine intelligente Entdeckungsreise in die litorale Wahrheit. --Bob Brandeis 5 Kundenrezensionen:ein wunderbar poetisches buch 5 von 5 Punktendas buch kann ich nur wärmstens empfehlen, ich habe es an einem wunderschönen strand im urlaub gelesen und mich einfach verzaubern lassen. die poetische sprache und erzählweise ist anfangs ungewöhnlich, doch hat man erst ein paar seiten gelesen, dann kann man das buch nicht mehr weglegen. im nachhinein habe ich manche stellen sogar ein zweitesmal gelesen und war sehr beieindruckt von den erzählfäden die zusammenlaufen, sowie auch von den dialogen. 5 sterne!!! Was ist das Meer, wenn nicht Bariccos Ozean Meer? 5 von 5 PunktenBariccos meisterhafte Erzählung gehört seit seinem Erscheinen zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Hier stimmt einfach alles: der Tonfall, die einzelnen Fäden, die er zu einem großen Crescendo an einem Ort zusammenführt, der für jeden ein Zimmer bereithält - selbst die Pausen, Andeutungen, Auslassungen klingen voller Wucht nach und erzählen meer Geschichten. Der Text verlangt dem Leser viel ab, belohnt ihn zugleich aber mit Sätzen von unendlicher Klarheit und Schönheit, von denen man sich direkt nach der Lektüre fragt: Wo haben die sich nur all die Zeit versteckt? Bariccos Gespühr für Musikalität und lyrische Ausdrucksformen findet seinen Höhepunkt in dem zweiten Teil von Oceano Mare, dem Leib des Meeres. Um die hier geschaffene lyrische Prosa wertschätzen zu können, sollte man sie sich von einem fähigen Vorleser mal zu Gehör bringen lassen. Wellengleich trägt der Rhythmus bizarre Grausamkeiten in den Kopf die zugleich von einfach absurder Schönheit sind. An dieser Stelle ein Kompliment an die Deutsche Übersetzung, die wirklich meer als gelungen ist. Fazit Wer Mumm hat und sich weder vor Schönheit, noch vor Sätzen fürchtet, die er selbst gerne zu Ende gebracht hätte, der findet hier einen Text, der in einem Atemzug mit Melvilles Moby Dick, Hemingways Altem Mann und das Meer und Yasar Kemals Zorn des Meeres zu nennen ist. im Übrigen seien diese Bücher auch allen ans Herz gelegt die auf meer als eine Art zum Mehr reisen wollen. Alessandro Baricco: Oceano Mare 5 von 5 PunktenAlexandra Kelpin, Rezensentin der Goettinger Zeitschrift fuer neue Literatur, hat bravouroes auf das zweite Buch des Romans hingewiesen: "Der Bauch des Meeres" zeigt das Meer tatsaechlich als verschlingendes Ungeheuer - "jetzt sterben ich sterbe...". "Hunger, und das siebte ist Entsetzen, das Entsetzen, das nachts ausbricht...", A. Baricco. Gute Buecher ueberdauern ihre Zeit. Obwohl "Oceano Mare" bereits 1993 veroeffentlicht wurde, ist es aktueller denn je. Nur wenige Schriftsteller setzen sich mit der Grausamkeit des Meeres auseinander. So sei diese Notiz all den ertrunkenen Kindern und Jugendlichen vor Lampedusa gewidmet, "waehrend weitere 40 Einwanderer und Muetter in den Fluten versinken - darunter mindestens zehn Minderjaehrige...", obwohl viele Fluechtlingsraete bereits vor Jahren vor der zunehmenden Militarisierung des Problems gewarnt hatten. Matthaeus 27, 24. Da nahmen sie Wasser in Bruessel, Berlin und Rom und wuschen sich die Haende vor dem Volk und sprachen: Wir sind unschuldig an ihrem Blut. "Das erste ist mein Name, das zweite diese Augen, das dritte ein Gedanke", Alessandro Baricco, Oceano Mare. v Zweiter Erfolg eines extravaganten Erzählerkünstlers 4 von 5 PunktenIn diesem ?Märchen", seinem zweiten Werk, das 1993 erschien, thematisiert der Autor Alessandro Baricco das ?Wesen des Meeres" und dessen Einfluss auf das Leben einiger Personen mit ungewöhnlichen, alltagsfernen Problemen und Konflikten. Da ist Plasson der Maler, früher allseits bekannt für seine exzellenten Portraits von Menschen, jetzt damit beschäftigt, das Meer - ohne die Hilfe einer Farbpalette, aber dafür mit Meerwasser - auf Leinwände zu malen. Doch so wie sich die menschlichen Augen für ihn als ?Anfang" einer Portraitzeichnung erwiesen, ist es Plasson nun überlassen, ?den Anfang deshe nach ?dem Ende des Meer Meeres" ausfindig zu machen, um tatsächlich mit seiner Malerei beginnen zu können. Professor Bartleboom hingegen ist auf der Suces", um es in seiner ?Enzyklopädie der in der Natur feststellbaren Grenzen" per Definition festhalten zu können und abgesehen davon ist er auf der Suche nach der Frau seines Lebens, für die er schon seit Jahren Briefe verfasst. Enorm einfühlsam schildert der Autor die Empfindlichkeit der zarten, 15-jährigen Elisewin. Sie ist die Tochter des Herzogs von Carewall und folgt dem Rat des berühmtesten Arztes im Land um zu genesen. Deshalb reist sie in Begleitung des freundlichen, den Herzog beratenden Gebetsschreibers Pater Pluche ans Meer, um die vollständige Heilung von ihrer zerbrechlichen Beschaffenheit zu erreichen. Die attraktive Ann Deverià wurde von ihrem Mann an den Ozean geschickt, um sie von der ?merkwürdigen Krankheit Ehebruch" zu heilen. Er ?meint, dass das Meeresklima die Leidenschaft einschläfert, dass der Anblick des Meeres das ethische Bewusstsein beflügelt und die Einsamkeit des Meeres dazu führt, dass sie ihren Geliebten vergisst." Nach einem Schiffbruch kämpfen Besatzung und Passagiere auf einem Floß irgendwo auf dem Meer ums nackte Überleben. Mitten in der Menge befindet sich Savigny, ein hochgeschätzter Arzt, der sich jedoch im Laufe des Geschehens auf dem offenen Meer verändert und den geheimnisvollen Steuermann Thomas (später Adams genannt) zu einem Racheakt veranlasst. Alle genannten Personen treffen in Quartel, genauer gesagt in der Pension Almayer aufeinander. Kunstvoll verwebt der ?Seide"-Autor die Einzelschicksale ineinander - die Personen, die voller Fragen und Sehnsüchte in dieses Haus gelangen, beginnen voneinander zu profitieren. Der Roman besteht aus drei Büchern, die diese Ausgabe selbstverständlich alle beinhaltet. Rein chronologisch betrachtet gehört das zweite Buch vor das erste, doch um die Spannung zu steigern und die Handlungsströme besser ineinander fließen zu lassen, hat der Schriftsteller die Reihenfolge geändert. Barricos Markenzeichen erstrahlen auch in diesem Roman - der noch vor ?Novecento", ?Seide" und ?City" erschien - in gewohntem Glanz: Die fesselnde, eigentlich knappe und dennoch sehr präzise Erzählweise - nur 29 Seiten benötigt er für die ausführliche Entfaltung eines Horrorszenarios auf hoher See - wie man sie auch in ?Novecento" und ?Seide" kennen lernt. Auch die Verschrobenheit, die in ?City" am deutlichsten wieder aufgegriffen wird und die poetisierte Philosophie - die sich über den Großteil seiner Werke erstreckt. Ungewöhnlich dagegen ist die metaphysische Ebene auf die Baricco an manchen Stellen des Romans zusteuert, weshalb der Begriff ?Märchen" im Untertitel wohl umso gerechtfertigter erscheint. Nur äußerst selten stößt der Roman auf kleine Eisberge, wenn Steuermann Baricco bei der Beschreibung des Meeres kurzzeitig ins Theatralisch-Unverständliche abrutscht oder wenn die Problemlösung, die Plasson unmittelbar vor seinem Tod einfällt, ein wenig einfallslos wirkt. Diese geringen Schwächen, die sich zwischen den üppigen Leckerbissen hervorheben, hindern dieses Buch daran, literarisches Meisterwerk zu sein. Nichtsdestotrotz ist es ein Roman erfüllt von echter Poesie und Abenteuern, die keiner anderen Phantasie als der des kreativen Alessandro Baricco entspringen können. Märchenhaft 5 von 5 PunktenEin wirklich sehr schönes Buch. Die Art und weiße wie Alessancro Baricco die einzelnen Erzählstränge erst komplett unabhängig und isoliert von einander einführt und dann zu einem abgerundeten ganzen Bringt ist wirklich meisterhaft. Die Sprache und allein die Form wie sie Niedergeschrieben ist, ist ungewöhnlich und wirkt zwar zunächst etwas befremdlich, kann dann aber um so mehr begeistern. Die Personen sind allesamt interessant, ungewöhnlich und haben etwas mystisches an sich. Dies passt sehr gut zur Grundstimmung des Buches. Es ist einfach durch und durch stimmig und enzieht sich einer genaueren Beschreibung. Einfach lesenswert! |
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Die Sprache des Windes: Wie ein Admiral aus dem 19. Jahrhundert Wissenschaft in Poesie verwandelte von Scott HulerGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 23,00, Angebote ab EUR 12,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481144, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 2. |
4 Kundenrezensionen:Weise wie der Wind 5 von 5 PunktenFangen wir mit einer liebevollen Aufmerksamkeit dieses besonderen Buches an: Der mare-Verlag, samt nomen est omen verantwortlich für die deutsche Herausgabe des 2004 in den USA erschienenen Bestsellers von Scott Huler, schenkt dem Käufer dieses Buches ein kleines Lesezeichen, welches im Inneren auf seine Entjungferung wartet. Das macht so mancher Verlag und jedes Mal fühlt man sich als Leser angenehm verstanden und liebevoll honoriert. Herrlich, nahezu großartig aber die Idee, das Lesezeichen in eine detaillierte Windskala zu verwandeln, also jenes Subjekt, um das es in diesem Buch geht, darauf abzubilden. Dafür erst mal Danke ein außergewöhnlich sympathischer Service. Francis Beaufort teilt das, in keinster Weise tragischem Schicksal vieler Wissenschaftsgrößen des 18. und 19. Jahrhunderts. Seine Erkenntnisse ragen dialektisch in die Moderne hinein. Der Schwede Anders Celsius oder der Schotte James Watt können ein Lied singen, wie der berühmte Erfinder- und Entdeckername späterhin auf einer maßgeblichen Skala verewigt wurde. Die Beaufort-Skala misst den Wind, und das bis heute, und um dies zu tun, muss man ihm zuhören und ihn verstehen. Das hat Beaufort gemacht und Scott Huler hat diese außergewöhnlich sensible, einfühlsame, aufregende und spannende Geschichte ins Zentrum seines wissenschaftlichen Berichtes gestellt. Wobei wissenschaftlicher Bericht nicht der Tragweite dieses Buchs gerecht wird, dass man ebenso einen historischen Roman oder eine moderne Parabel nennen könnte. In jedem Fall ist es unterhaltsam und lehrreich zugleich. Die genauen Recherchen in Archiven und Wissenschaftsbibliotheken, in den Schreinen der Moderne, die sich konstituierte, als neben Beaufort auch Cook, Darwin oder Defoe die Welt in ihrem jeweiligen Metier aus den Angeln hoben, werden kombiniert mit persönlichen Erlebnissen Hulers, der auf einer Segelbootsfahrt die Stille des Windes erkundete. Für jemanden, der Sachbücher schätzt, weil sie etwas vermitteln, das sich von selbst nicht erschließen lässt, ist dieses Buch eine Goldgrube, denn es unterhält und packt einen während der Lektüre. So oder so ähnlich sollte jede Didaktik des Bildungsplanes aufgebaut sein, denn nur so, mit den Glücks- und Spannungsgefühlen, können diese Dinge auch behalten werden. Und nicht nur Beauforts Zeit wird rekapituliert, langsam schwingt sich der Autor mit seinen Lesern in die Gegenwart vor und reüssiert die Geschichte der Winde und seiner analytischen Rezeption in der Post-Beaufort-Ära. Damit rundet Huler das Geschehen hervorragend ab, so dass das Buch eigentlich jedem Natur-, Technik- und Lebensinteressierten nur wärmstens ans Herz gelegt werden kann. Abschließend eine weitere Randnotiz zum Thema Lesezeichen, dass nicht nur wie eingangs erwähnt eine Windskala zu bieten hat, sondern auch noch eine Rückseite. Auf der sind zwei Menschen zu sehen, die in Stühlen sitzen, sowie die gleichen Stühle ohne Menschen, deren Polster heftig vom Wind durchbogen werden. Ich meine, einer der Menschen ist der fast junge Helmut Kohl, der seltsam melancholisch dreinblickt. Wenn er es wirklich ist, und das Ganze mit dem Spruch gut zu wissen, woher der Wind weht Absicht ist, dann kann man nicht nur vor dem Autor zutiefst seinen Hut ziehen, sondern auch vor diesem Verlag. Die Sprache des Windes 5 von 5 PunktenNorthumberland Square: Schnur der Fahnenstange flattert, schlägt aber nicht gegen den Mast Scott Huler auf den Spuren Beauforts. Die Windscala steht im Mittelpunkt des Buches. Huler verfolgt ihre Geschichte mit großer Leidenschaft. Er hat ein gelehrsames Buch nicht nur über die Beaufort-Scale geschrieben. Nein, die Ausflüge in die Wissenschaftsgeschichte sind ebenso lesenswert. "Eine kalte Luftmasse rückt auf eine warme vor und die Turbulenzen an deren Grenze verursachen Stürme. Diese Theorie entwickelte erstmals der norwegische Meteorologe Vilhelm Bjerknes während des ersten Weltkrieges (!). So lag es nahe, dass er die unbeständigen Grenzen dieser Luftmassen als Fronten bezeichnete." Immer wieder stellt er die deutliche, sämtliches Überflüssiges weglassende Sprache der Beaufort Skala (sie kommt mit 110 Wörtern aus) in den Vordergrund. Er zeigt auch auf, welche Bedeutung z.B. die Standardisierungsbemühunngen im 19. Jahrhundert für die Entwicklung u.a. auch für die Naturwissenschaften hatte. Das Buch bringt viel Lesevergnügen und, wenigstens für mich, viel Wissenszuwachs! Ein Admiral des 19. Jahrhunderts und seine poetische Sprache 5 von 5 PunktenDas vorliegende Buch von Scott Huler setzt sich auf die Spur von Admiral Francis Beauforts, einem Seefahrer des 19. Jahrhunderts und intellektuellem Feingeist. Scott Huler beschreibt dabei gekonnt die Stimmung und gibt auch die wissenschaftliche Präzision wieder, derer sich Admiral Beaufort so oft bediente. Mit dem Roman DIE SPRACHE DES WINDES wird der Bereich Seefahrt und Wissenschaft zusammengeführt - das Ergebnis ist eine unbezähmbare Leidenschaft alles Seefahrerische in Kategorien und Skalen zu bannen. Woher kommt die Beaufort Skala? Warum entschloss sich der ansonsten sehr schweigsame und stille Beaufort zu einer solchen Skala und woher nahm er die fast philosophisch anmutenden Beschreibungen? Teils sehr knapp und doch so treffend, so charakterisierte Beaufort den Wind in all seinen Ausprägungen. Das Buch DIE SPRACHE DES WINDES von Scott Huler nimmt sich einesteils die Lebensgeschichte des Admirals Beaufort vor und führt und interessant und mit viel Zuneigung durch dieses besondere Leben. Doch auch die Skala und die von Beaufort entwickelten Instrumente und sonstigen Errungenschaften sind Teil dieses guten Buches. Es ist sehr interessant dieses Leben so offen zu sehen und darin herum zu blättern und mit Scott Huler ist jemand dazu berufen worden, welcher selbst den Wind verehrt und zudem Beaufort mag. Scott Huler hat gut recherchiert, er hat es verstanden seine Fakten und sein Wissen positiv und leicht in einen Buch wie DIE SPRACHE DES WINDES umzusetzen. Mir persönlich hat dieses Sachbuch gut gefallen, es hat mir Admiral BEAUFORT nahe gebracht, ich kann nun diese historische Gestalt besser fassen und habe sie auch schätzen gelernt. Die Sprache des Windes ist manchmal wie ein säuseln, wie leichte Schaumkronen auf dem Meer, doch es kann auch ein tiefes Stöhnen daraus werden, als wären die Pforten der Hölle geöffnet. Wer Wind mag, wird Beaufort leiben, doch wer auch den Sturm schätzt, erkennt das Potential dieses Buches und die Arbeit von Scott Huler, welche darin zum Ausdruck kommt. Sehr empfehlenswert! Schöner Band, enttäuschender Inhalt 2 von 5 PunktenIch habe das Buch zu Weihnachten bekommen, weil bekannt ist, dass ich mich als begeisterter Segler für alles interessiere, was mit Wind zu tun hat. Das Buch vom Mare Verlag ist ansprechend gestaltet und ich stürzte mich sofort drauf. Ich erwartete mir eine faszinierende Mischung von Biographie und literarischer Gestaltung wie etwa in Sten Nadolnys "Entdeckung der Langsamkeit" oder Erskine Childers' "Das Rätsel der Sandbank", um nur zwei Beispiele zu nennen. Meine Erwartungen wurden aber so sehr enttäuscht, dass ich jetzt - ganz entgegen meinen sonstigen Lesegewohnheiten - auf Seite 204 aufgegeben habe. Es ist die Geschichte eines Journalisten, der eher zufällig auf Beauforts Windskala gestoßen ist und sich in dieses Thema verbissen hat. Als leider eher unbedarfter Forscher versucht er, die Entstehung und die Bedeutung der Skala aufzudecken. Dabei gibt er aber auf, sobald sich ein Widerstand oder eine Unklarheit zeigt und fängt irgendwo anders an zu recherchieren. Dadurch kommt es zu unzähligen Wiederholungen, Details werden breit ausgewalzt, überhaupt hat der Text etwas Zufälliges, er ähnelt einem ausgeschütteten Zettelkasten eher als einem durchkomponierten Text. Ärgerlich sind die Abbildungen: Reprints der Beaufortskala in verschiedenen Publikationen mit minimalen Änderungen und Karten Beauforts sind so klitzeklein abgedruckt, dass es unmöglich ist, darauf irgendetwas zu erkennen. Unerträglich ist dann die Passage, wo der Autor beschreibt, wie er auf dem Großsegler "Europa" eine Woche ohne Wind verbringt, und wo er dann versucht das Erlebnis des Segelns in Worte zu fassen. Wenn ich keinen blassen Schimmer von Autos habe, schreibe ich nicht über die Formel 1! Ich glaube kaum, dass ich noch die Energie aufbringen werde, mich durch die restlichen 70 Seiten (bis zu den Anhängen) durchzuquälen. |
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Die Prinzeninseln von Joachim SartoriusGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 18,00, Angebote ab EUR 14,85 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481160, Erscheinungsdatum: August 2009, Auflage: 2. |
3 Kundenrezensionen:tolles Buch, man will sofort hin 5 von 5 PunktenEin wunderschönes Buch. Ich kenne Büyükada von einigen eigenen Besuchen und habe nach Lektüre des Buches die nächste Reise gebucht. Das Paradies - ohne Autos! 5 von 5 PunktenEin wirklich wunderschönes Buch! Auch ohne Bilder erzählt Sartorius sehr plastisch. Eine ehemals multikulturelle Welt - ohne Autos! Mit Pferdedroschken, die auch noch leise sind, da die Pferde nicht mit Metall, sondern mit Gummi beschlagen sind! Wie schön wären unsere Städte ohne Autos und nur solchen Droschken! Doch das ist natürlich nur ein Detail in diesem sympathischen Buch über diese außerordentlichen Inseln vor der Haustür Istanbuls. Jedem, der sich für die Türkei interessiert, unbedingt zu empfehlen. Einzigartig 5 von 5 PunktenWenn ein wirklich toller und informativer Exkurs über die Inseln gewünscht ist, dann kauft euch dieses tolle Werk! |
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Ein anderes Meer von Claudio MagrisTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,90, Angebote ab EUR 5,61 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423138750, Erscheinungsdatum: Sept. 2009 |
3 Kundenrezensionen:"Den Anspruch zu leben haben nur Größenwahnsinnige." (Ibsen) 5 von 5 Punkten"All dies ist aus denselben Gründen in gewisser Hinsicht wahr, aus denen es in gewisser Hinsicht falsch ist." (Augustinus, Selbstgespräche) Wenn alles daran liegt, aus den ersten Nuancen eine Deutung zu gewinnen, darf man über den ersten Wink, der nach dem Titel gegeben ist, nicht hinweglesen. Das Meer ist natürlich das Meer, das trägt für eine Schiffsreise des Enrico Mreule aus seiner angestammten Welt in Görz in die Welt Argentiniens und Patagoniens mit all seinen Abenteuern der physischen Art. "Tugend bringt Ehre" ist jedoch das erste Bekenntnis dieser Erzählung nach dem Titel und es ist nicht von ungefähr. Einrico, Nino und Carlo sind jene drei Freunde, die ihre Schulzeit mit einer Öllampe verbrachten, die Nachts leuchtete, während Platon, Parmenides, die Vorsokratiker und die Evangelisten ihnen Licht gaben. Erhellung in ihren Köpfen, im Geiste jener drei, die sich eine Welt eroberten in "ein[em] anderes[m] Meer" der philosophischen Klarheit als Metapher für das Rätselhafte, dass kommen soll. Weit weg von dem, was die Welt der Rhetorik an Scharmützel und Ablenkung bereit hält, wollten sie sich in eine Welt begeben, die nicht das Ich beeinflusst, sondern es stärkt in der Kraft der Überzeugung. Alles, was Schwere ist, soll abgestreift werden, damit die Leichtigkeit Einzug hält in ein Leben voller Sein. Tolstoi und vorallem Ibsens Peer Gynt sind die literarischen Begleiter im Anspruch zu leben ohne Begehren wie es einst Buddha tat. Buddha trat ins Leben, als er das Begehren überwunden hatte, Wollen zerstört das wirkliche Sein. Die Suche nach Freiheit soll erst im Nichts von Erfolg gekrönt werden, alles angeeignete Wissen wird abgelehnt und verpönt ins Reich der Rhetorik verwiesen. So die Lebenseinstellung der drei Freunde. Tugend nannten die Stoiker Mut und Tapferkeit. Diese Attribute waren notwendig; sie zu befolgen, gereicht zur Ehre. Ob sie gelehrt werden kann, lesen wir bei Platon (Menon). Und nun tritt Enrico seine Reise an, vorgeblich will er dem Militär entfliehen, allerdings nicht als Antimilitarist, sondern, weil der die Ordnung und die Bestimmung nicht will. Seine Reise ist begleitet von Briefen seiner Freunde, begleitet von den Gedanken der Jugendzeit und vor allem von der Achtung gegenüber seinem Freund Carlo Michelstaedter, der Denker und Vorreiter aller Ideen, der dennoch und gerade Enrico als vorbestimmt für die ehrenhafte Tugend hält, einen neuen Menschen zu verkörpern. Mit dieser Last erhöht Enrico seine Erfahrungen, reflektiert alles mit dem ursprünglich Gewollten und mutmaßt wie das Orakel im delphischen Tempel, dass die Dinge zu ihm sprechen in der Weise, wie Plutarch es sagte: "EI" (= "Du bist") und diese klare Botschaft ist jene, die Menschen "voll und ganz lebendig, alle Zeit und in jedem Augenblick, auch im letzten" macht. Auf seiner Reise der Ich-Findung erfährt er vom Freitod seines Freundes Carlo und sicherlich spürt er, wie auch der Rezensent mutmaßt, dass Enricos Reise für Claudio Magris (1939-) die personifizierte Philosophie des Carlo Michelstaedter und das Ringen darum darstellt, die er im außergewöhlichen Werk "Überzeugung und Rhetorik" der Nachwelt überlassen hat. Magris stellt seinen Protagonisten in den Dienst großer Worte, die die Überzeugung als den Besitz des eigenen Lebens verkünden, die die Fähigkeit, ganz den Augenblick zu leben, verheissen und dennoch in der Person Enricos den notwendigen Zweifel wie letztendlich auch das Scheitern anreißen. Denn "nicht in die Zukunft [zu] gehen", weil dort der Tod ist, mag eine Idee sein, die schön ist, aber die letztendlich am Leben selbst scheitert. Die Zeit verhindert es, doch "mit dem eigenen Ich glücklich sein", ist ein Versprechen, wie man es andernorts schon hört. Aus diesem Grunde versteht es Michelstaedter in seinem Werk "Überzeugung und Rhetorik" hervorragend, das Neue als das Wiederholte darzustellen. Es ist wie in Platons Ideenwelt eine Wiedererinnerung (Anamnesis) an die Urwahrheiten, auf die man gestoßen werden muss. Und es klingt wie die Erziehung im Sinne Lessings, denn die Erziehung gibt dem Menschen nichts, was er nicht aus sich selbst heraus haben könnte. (vgl. Die Erziehung des Menschengeschlechts §4) Magris Erzählung ist eingebettet in den Zeitbezug von Carlo. Er erschoß sich vor 100 Jahren, im Oktober 1910. Enrico war auf seiner Reise. Die Zeiten der Verwerfungen und Veränderungen, politischer wie geographischer Natur, durch die Weltkriege bis in die Jahre 1970 prägen und durchziehen ebenso diese Erzählung. Wenn das Vorwort verheißt, einem Außenseiter ein Denkmal gesetzt zu haben, dann kann man annehmen, das Enrico Mreule jener Flüchling ist, der sich im Leben verloren hat. Und dennoch meint der Rezensent, dass Enrico die Verkörperung einer Idee darstellt, weil er mit dem Auftrag zu leben wie gedacht, sich auf die Reise machte und damit wird die radikale Philosophie eines Carlo Michelstaedter im Fokus stehen und damit wird ihm ein Denkmal gesetzt. Jenem jungen Denker und Dichter, dem die Suche nach dem Absoluten wichtig war, der Enrico diese Sehnsucht eingegeben hat und der für sich selbst erkannte, dass diese Sehnsucht unerfüllt bleiben wird und dass es ohne diese nicht geht. 23jährig beendet er sein Leben, Enrico stirbt 1933 in all den Wirren der Kriegszeit. Wundervolle Sprache erhöht zusätzlich dieses Lesevergnügen. ~~ Tugend bringt Ehre 4 von 5 PunktenDas Buch beginnt damit, daß es eine fast absolute Vorgabe enthält ( Tugend bringt Ehre, heißt es da ) und dieser Vorgabe bedient sich der Protagonist. Claudio Magris aus Triest beschreibt die ganz eigentümliche Geschichte von Enrico Mreule aus Görz, der während seines ganzen Lebens danach trachtet, völlig absolut zu sein. Als Gaucho in Patagonien zu Beginn des ersten Weltkrieges, dann zurückgekehrt und im Amt ( als Lehrer ) in seiner alten Heimat, immer sucht er sein ( absolutes! ) Ziel zu erreichen. Einmal meint er gar, das Nichtsein sei eigentlich erstrebenswert ( welch eine Erkenntnis! ) und Buddha`s Leben nachahmenswert. Sein Freund Carlo stirbt während seines Patagonienaufenthaltes, doch es scheint ein furchtbar freiwilliges Aus- dem- Leben-Scheiden zu sein ( Vorahnung kommenden Unheils für die jüdischen Mitbürger? ). Wohl hat Enrico eigentlich nichts gegen Menschen einzuwenden, trotzdem geht er gern alleine seine eigenen Wege ( am Strand der Adria bei Salvore, jetzt Savudrija benannt ). Hier ist die Welt in jener Ordnung, die er liebt. Und auch heute noch erzählen uns ( als gelentliche Besucher der Gegend um Piran ) der Wind, das Meer, die Menschen, somit die ganze Gegend etwas vom Sein in dieser ( heilen ) Welt. Ruhe heißt die Botschaft und: "Gedenkt der Menschen, die hier gelebt haben! " Jetzt sind es einpaar Menschen mehr, an die wir denken. Claudio Magris befleißigt sich eines Stils, den ich episch nennen möchte. Gedrungene Sprache, die viel abverlangt und dauernde Spannung erzeugt. Und diese Spannung wird aufrecht erhalten bis zum Schluß. Dramatik ist zu erkennen, genaues und sicheres Darstellen, viel Skizzenhaftes zwar, aber nicht verschwommen, alles gedrungen und perfekt. Zivilisation ist die Geschichte von Menschen, meint er einmal, die " unfähig sind, überzeugt zu leben." Mauern richten sie auf, sagt er dann, Mauern aus Rhetorik, kolossale Mauern. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Aber die Geschichte von Enrico Mreule aus Görz, der gerne, sehr gerne am Meer lebte und der die Gegend dort liebte, auch die Menschen, egal, ob sie Italiener, Slowenen, Kroaten oder Österreicher bzw. Deutsche waren, diese Geschichte ist nun nicht vergessen. Ein Buch für viele besinnliche Stunden für geduldige Leser mit Sinn und Humor für gelegentlich altphilologische Hinweise. Ungewöhnlich und durchaus lesenswert! 5 von 5 PunktenSprachlich ein sehr gelungenes Buch, mit einer tiefsinnigen, mehrschichtigen Geschichte. Der Leser wird von den unglaublich guten Stimmungsbildern und Metaphern des Autors regelrecht durch das Buch gezogen. Teilweise wundert man sich schon ein wenig wohin der Autor den Leser führen möchte. Es ist eben eine Reise, nicht nur über das echte Meer, auch übers ein anderes Meer, das "Meer" der großen Bücher, mit dem Ziel in ein fernes fremdes Land zu gelangen. Dabei werden die großen geistigen Werke, der bekannten Philosophen, vom Autor nur kurz erwähnt und so entsteht nebenbei auch eine nette Andeutung zwischen den Zeilen für belesen Menschen. Bei dieser doppelten Reise erfährt der Leser zwischendurch immer wieder auch etwas von der Vergangenheit des Reisenden, z.B. von den drei Freunden die sich in ihrer Jugend sehr mit den großen Philosophen beschäftigt haben und große Träume hatten. Der Autor entwickelt dann die unterschiedliche Lebensgeschichte dieser Personen. Der eine steht voll im Leben, der andere ist fast ein Heiliger und der dritte ist in der rein geistigen Welt verblieben und liebt sich und die Einsamkeit mehr als die Menschen. Ferner baut der Autor die gleichzeitig ablaufende historische Entwicklung, vom Anfang des ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, mit seiner ganzen Brutalität, auch noch kurz mit in die Geschichte ein (in dem Buch wird es dann schon etwas heftiger, wenn die Hinrichtungen bildlich beschrieben werden). Fazit: Top Buch, sprachlich unglaublich gut, mit einer gelungen Reflektion des Lebens, auch wenn erstmal ein Fragezeichen am Ende des Buches bleibt( was will der Autor einem wohl sagen?), aber keine Sorge die Antwort findet man nach kurzer Überlegung... |
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Tiefsee: Von Schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen von Dagmar RöhrlichGebundene Ausgabe von MarePreis bei Amazon: EUR 26,00, Angebote ab EUR 19,25 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481225, Erscheinungsdatum: April 2010 |
5 Kundenrezensionen:Eine unendliche Vielfalt wunderbaren Lebens wird gezeigt und beschrieben. Gleichzeitig ist das Buch eine Wissenschaftsgeschichte 5 von 5 PunktenDagmar Röhrlich ist eine renommierte Wissenschaftsjournalistin, die zuletzt mit ihrem an Jugendliche und Erwachsene gerichteten Buch "Die Spur des Menschen" eine umfassende Übersicht mit vielen Zahlen und wissenschaftlichen Informationen über die großen globalen Zusammenhänge, Bedingungen und Wechselwirkungen geliefert hat. Es war ein Buch, bei dem am Ende der staunende Eindruck zurückblieb, wie wunderbar doch dieser Planet funktioniert und die Erkenntnis, dass noch viel getan werden muss, um ihn auch zu erhalten. In ihrem neuen Buch, als erster Band einer neuen Reihe bei mare mit dem Titel marewissen, erschienen ( vier weitere Bände sind in Planung), erzählt sie von der Tiefsee, einem fremden Planeten auf unserer Erde. Da geht es um "Schwarze Raucher und blinkende Fische", eine unendliche Vielfalt wunderbaren Lebens wird gezeigt und beschrieben. Gleichzeitig ist das Buch eine Wissenschaftsgeschichte der Erforschung der Tiefsee. Das Buch ist großzügig in Halbleinen gebunden, hat aber leider, weil es offenbar noch nicht viele entsprechende Bilder gibt, kaum Farbbilder von den beschriebenen Wesen und Lebenswelt der Tiefsee. Es ist jeden Euro seines Kaufpreises wert und eignet sich gut als Geschenk für Menschen, die sich für naturwissenschaftliche Themen interessieren. Dass die Tiefsee, jener fremde Planet auf unserer Erde höchst gefährdet ist, weil nach den Forschern sofort diejenigen kommen, die den Reichtum der Tiefe ausbeuten wollen, beschreibt Sarah Zierul in ihrem eben bei Hoffmann und Campe erschienenen Buch "Der Kampf um die Tiefsee". Gut lesbare Einführung in die Ozeanographie; Abb. vorlagen sollten benannt werden 4 von 5 PunktenDas Beste an Dagmar Röhrlichs "Tiefsee" ist ihr Schreibstil. Röhrlich erzählt spannend und informativ die Geschichte dieses Lebensraumes. Ihr roter Faden ist die Schilderung der "Challanger"-Expedition, die zwischen 1872 und 1876 die erste weltumfassende Tiefsee-Forschungsreise unternahm. Ihr Ergebnis kurz zusammen gefasst: die Tiefsee ist nicht der unbewohnte Lebensraum wie man immer dachte. Anknüpfend an die Abenteuer und wissenschaftliche Kenntnisse dieser Reise gibt Röhrlich Auskunft wie der heutige Stand der Wissenschaft ist. Das Ganze liest sich locker leicht, wie aus einem Guss. Unglaubliche Formen von Pflanzen und Tieren haben sich hier ausgebildet. Neben den "üblichen Verdächtigen", wie Architeuthis, Anglerfisch etc. werden auch viele Exoten gezeigt, beispielsweise Chaetopterus, ein Wurm, der "wie das Hinterteil eines Schweins aussieht" (S. 179). Ich fand den Schwarzen Drachenfisch sehr interessant; dieser besitzt neben Rotlicht auch ein "Fernlicht"; um das Rotlicht wahrzunehmen benötigt er zusätzliche Sehpigmente, die eine Variante des grünen Chlorophylls darstellen - bin gespannt wie man das in Zukunft klärt. Natürlich erzählt Röhrlich auch über die Gefahren der Zerstörung dieses Lebensraumes. Waren es zu "Challenger"-Zeiten die Walfänger, sind es heute die Fischer, die mit Technik und z. T. über 130 km langen Schleppnetzen jedes Leben am Boden den Garaus machen. Aber auch Umweltverschmutzung und Klimawandel üben negativen Einfluss auf den Biotop. Über das ganze Buch verteilt sind Illustrationen von Jan Feindt. Positiv ist der dadurch entstehende einheitliche Gesamt-Eindruck des Buches. Ich persönlich finde allerdings Photos in diesem Zusammenhang (= Sachbuch) besser. Beim Vergleich mit Claire Nouvians "Leben in der Tiefsee" von 2006, strahlen die dort gezeigten Photos pathetisch ausgedrückt mehr Erhabenheit aus. Sehr überrascht war ich, dass einige Tiere in Röhrlichs Buch - ohne Angaben - von Photos aus Nouvians Buch (wahrscheinlich) fast 1:1 abgemalt wurden, die einzelnen Tierindividuen sind deutlich zu erkennen. Z.B. Periphyllopsis (Nouvian Seite 113, Röhrlich Seite 115), Vampyroteuthis (129/19), Haplophryne (132/162), Strahlentierchen (155/139) Seefeder (158/181), Kugelschwamm (179/70), Baumschwamm (187/119), Krausenhai hier 2 verschieden Photos (190 + 191/152 + 221),Yeti-Krabbe (221/223), Pompejiwurm (222/243). Das finde ich nicht gut. Nouvian hat ein faszinierendes Buch herausgegeben und man sollte die Arbeit respektieren, die hinter solch einem Engagement steckt. Dagmar Röhrlich hat eine gute, spannend zu lesende Einführung in die Ozeanographie geschrieben, bei einer neuen Auflage des Buches sollten die Vorlagen einiger Illustrationen auch genannt werden. Einblick in eine andere Welt 5 von 5 PunktenDas Buch hat mir sehr gut gefallen da es in unterhaltsamer Weise in die Tiefen des Meeres entführt. Das komplexe Ökosystem in großer Tiefe ist uns nach wie vor wenig bekannt - unbekannte Wunderwelten die durch dieses Buch lebendig werden. Die Auswirkungen der Ölkathastrophe im Golf von Mexico erscheinen nach Lektüre dieses Buches noch dramatischer. Wissenschaft spannend präsentiert! Von schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen 5 von 5 PunktenDies ist Band 1 aus der neuen Serie von MARE WISSEN und mit dem Titel TIEFSEE von Dagmar Röhrlich geht es dann auch gleich sehr interessant in die Tiefen des Ozeans. Das Buch bietet einen Fundus an Wissen wie es schon die Serie im Titel führt, wobei alles verständlich und interessant bleibt. Seltsame Kreaturen, unbekannte Tiefen und fantastische Orte, die Tiefsee ist der noch am wenigsten erforschte Ort auf unserem Planeten und dort unten ist nicht nur Wasser. Es gibt viel zu erleben und zu entdecken an diesen lichtlosen Gestaden, das Buch TIEFSEE von Dagmar Röhrlich gibt uns dazu die Möglichkeit. Schon alleine die interessanten Zeichnungen und Skizzen machen das Buch interessant. Es ist eine Reise auf einen fremden Planeten, einen Ort den wir nicht kennen und doch ist da unten in der Tiefe ein Licht. Ob es der Peitschenangler - Fisch ist, wer weiß das schon so genau, doch das Buch TIEFSEE von Dagmar Röhrlich möchte uns diesen besonderen Ort nahe bringen und zeigt auf der er schützenswert ist, denn bevor wir ihn noch kennen lernen dürfen, droht schon seine Zerstörung. Das Buch befasst sich ebenso mit der historischen Seite der Erkundung der Tiefsee, wie auch mit aktuellen Forschungsprojekten und dem Stand der Dinge heute. Das Thema TIEFSEE wurde von der Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich umfassend, informativ und interessant dargestellt, ich persönlich empfinde den band 1 aus der Serie MARE WISSEN als sehr gelungen. Ob es der Nordatlantische Strom ist, die Black Smokers, Vulkanaktivitäten unter Wasser und die dazu gehörende Flora und Fauna, alles ist so dargestellt das man es gut versteht und fasziniert vom Thema ist. Riesen Kalmare, blinde Fische und auch die Grenadiere und Staatsquallen, selten empfand ich die Tiefe unter einem Schiff so voller Leben und so interessant, das Buch hat mich beeindruckt und inspiriert. Schade, dass man selbst nicht in solche Tiefen hinabtauchen kann, doch das Buch entschädigt dafür und bietet jede Menge Fakten und Informationen. TIEFSEE von Dagmar Röhrlich liefert jede Menge Details und Wissenswertes zum Thema des Buches, ein sehr gelungener Auftakt der Serie MARE WISSEN - ein Buch das bei Freunden des Meeres und der Ozeane nicht fehlen darf, denn die Welt fängt erst unter der Wasseroberfläche so richtig an. Sehr empfehlenswert! Alles ähnelt einem Vorstoß ins Universum 5 von 5 PunktenEs war einst Jules Verne der vorgeträumt hat und viele Ingenieurteams und Tiefseetaucher wie beispielsweise Jaques Picard folgten ihm und wollten beweisen, das in der Tiefsee ein Universum mit einer ganzen Welt voll merkwürdiger Kreaturen beheimatet ist. Ein unwirklicher Lebensraum, eigentlich der am wenigsten bekannte der Erde, denn über ihn weiß man bisher weniger als über das Weltall. Bis weit ins 19. Jahrhundert glaubte man in der Tiefsee sei nichts als Wasser. Ein fataler Irrtum, denn sie ist in Wirklichkeit der größte Lebensraum unseres Planeten, neunzig Prozent der Weltmeere sind Tiefseeregionen. Seit 150 Jahren wird die Tiefsee intensiv mit U-Booten und Robotern erforscht, wobei die Dunkelheit und der enorm hohe Wasserdruck die größten Probleme darstellen. Die Autorin geht chronologisch vor, nimmt den Leser mit auf einer Fahrt über die Weltmeere und lässt ihn nicht nur an den bemerkenswerten Entdeckungen, sondern auch an den auftretenden Problemen teilhaben. Dem naturwissenschaftlichen Teil stellt sie dabei mit der, mit spannenden Erlebnis- und Reiseberichten ausgeschmückten Entdeckungsgeschichte der Ozeanologie, ein erzählerisches Element zur Seite. So berichtet Dagmar Röhrich von der spannenden Geschichte der Tiefseeforschung und ihren Pionieren Ferdinand Magellan, Sir John Ross, Jacques Picard und Charles Thomson der mit dem britischen Dampfschiff HMS Challenger mehrjährige Forschungsfahrten unternahm. Die Melange von Wissenschaftsgeschichte und Entdeckungsgeschichte vermittelt einen fundierten Überblick über den Lebensraum Tiefsee. Es ist das Reich der Kraken, "der Furcht und Schrecken erregenden Riesenmäuler". Eine ebenso unheimliche, wie faszinierende Welt im tiefsten Keller der Erde". Dort herrscht eine unheimliche Stille und Dunkelheit in einer bizarren Welt mit heißen Thermalquellen und Unterwasser Geysiren, die von unbekannten Lebewesen und Milliarden von Mikroorganismen bevölkert ist. Extreme Umweltbedingungen sind neben den hydrothermalen Quellen am Grund der Tiefsee anzutreffen. . Bei den 1977 entdeckten Black Smokern herrscht Vulkanismus mit extrem hohen Temperaturen und Mineralkonzentrationen. Kein Lichtstrahl dringt in dieses Tiefen und damit wird das Dogma widerlegt das alles Leben auf Erden von der Sonne abhängt. Evolutionsbiologen weisen heute der Umgebung von "Schwarzen Rauchern" den Ursprung irdischen Lebens zu. Im Mare Verlag ist jetzt dieses Buch der freien, mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erschienen das alles Wissen und damit auch den aktuellen Stand der Forschung dokumentiert. Großartig sind die Illustrationen von Jan Feindt, die zeigen was dort unten kraucht und fleucht. Die zahlreichen Infokästen, Abbildungen und Zeichnungen, sowie eine umfangreiche Literaturliste sind leider nur sehr klein gedruckt, ermöglichen es jedoch dem interessierten Leser sein Wissen über diesen geheimnisvollen schwarzen Planeten zu vertiefen. Etwas zu kurz kommen leider die Bedrohungen durch Plastikmüll, Übersäuerung, Überfischung, Rohstoffabbau und Klimawandel, Bedrohungen durch den Menschen die mittlerweile auch die tiefsten Tiefen der Weltmeere erreicht haben. Diese "Tiefsee" begeistert, es ist ein sehr empfehlenswertes, ausbalanciertes Wissen vermittelndes Sachbuch, das Interesse für die nächsten angekündigten Ausgaben dieser fünfbändigen Lehrbuch Reihe aufkommen lässt. |
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Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow von William LithgowGebundene Ausgabe von MarePreis bei Amazon: EUR 24,00, Angebote ab EUR 20,00 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866481128, Erscheinungsdatum: Sept. 2009, Auflage: 2. |
4 Kundenrezensionen:Danke Mare! 4 von 5 PunktenWundervoll diese drei Reiseberichte! Witzige, wunderbar subjektive Ansichten einer Zeit, die uns so fern und manchmal wiederum so nah erscheint. Am Vorabend des 30jährigen Krieges wandert ein protestantischer Schotte einfach mal quer durch Europa, den nahen Osten und Nordafrika. Unglaublich !? Mein Dank gilt dem Mare-Verlag für die Übersetzung dieses Schatzes der Reiseliteratur und für den schönen Einband, den wunderbaren mehrfarbigen Schriftsatz und die Erläuterungen im Anhang. Für die absolut unpassenden Illustrationen, die den Gesamteindruck dann doch etwas trüben, gibt es einen Stern Abzug! Der erste Pauschal Tourist und streitbarer Charakter 4 von 5 PunktenDer erste Reisführer, erschienen lange bevor die Standardwerke der Touristik und Massenpauschaltouristen die Gestade fremder Weltmeere eroberten. DIE WUNDERSAMEN IRRFAHRTEN DES WILLIAM LITHGOW herausgegeben von Roger Willemsen entführt uns in die galle-bitteren Ansichten eines Schneiders, welcher zu Recht als der erste Pauschaltourist der Welt gelten darf. Anscheinend war das Werk bislang in Deutschland unbekannt und nicht in unsere Sprache übersetzt, daher erscheint es hier erstmals im Mare Buchverlag. Als Pauschal Urlauber verteilte der Schneider William Lithgow auch gerne Pauschalurteile, diese dürften gerade heute dem ironisch gesinnten und durchaus auch noch heute überkritischem Pauschal - Touristen gefallen. Eines vorab gleich vorweg, der Protagonist WILLIAM LITHGOW ist ein ganz übler Zeitgenosse gewesen, voller Vorurteile, böser Vorahnungen und ein Rassist war er bestimmt auch - dennoch ist sein Reisebereicht eine Quelle der Freude, denn es ist wohl der erste Reisebericht eines ganz normalen Touristen in Europa und das vor dem 30jährigen Kriegs, Die Italiener allesamt verkommen, die Griechen Sodomiter und über die Araber und Jesuiten wollen wir erst gar kein Wort verlieren. WILLIAM LITHGOW hat wohl das loseste Mundwerk aller Zeiten gehabt, bitterböse Kommentare zu Madonnen, religiöser Verehrung und politischen Ansichten. Sprüche und bissige Bemerkungen auf jeder Seite und einen Schlag ins Genick für jedermann. Gegen alle Kritiker hat er ebenfalls geschossen, mögen sie allesamt tot umfallen und in nicht länger behelligen. WILLIAM LITHGOW der erste Kritiker wie er im Buche stand, keine Freunde, keine Feinde und ein böses Wort für und gegen alles. Wer allerdings einmal einen wirklich ungewöhnlichen Reisebericht lesen möchte und zudem ein paar sehr gelungene Illustrationen von PAPAN dazu sehen möchte, der wird mit DIE WUNDERSAMEN IRRFAHRTEN DES WILLIAM LITHGOW herausgegeben von Roger Willemsen vollauf begeistert sein. Empfehlenswert! Das nenne ich ein echtes Fundstück 5 von 5 PunktenIch habe dieses Buch eher zufällig, beim Rumstöbern gefunden und fand es gleich seltsam interessant. Und das ist es auch und überdies auch noch wahnsinnig unterhaltsam und witzig, weil absolut nicht p.c. Dieses Buch ist in jeder Hinsicht unglaublich: ziemlich genau 400 Jahre, nachdem der schottische Schneider William Lithgow in die Welt hinausgezogen ist, erscheinen seine Reiseerzählungen zum ersten Mal auf Deutsch. Man fragt sich, warum vorher noch keiner auf die Idee gekommen ist, das Buch herauszubringen, denn Lithgows Berichte heben sich wirklich ab vom Gros der Reiseliteratur er ist der Inbegriff der politischen Inkorrektheit Er flucht, statt zu preisen, das ist ein großer Spaß, genau wie die dazu passenden Illustrationen von Papan. Roger Willemsen hat ein schönes Vor- und Nachwort geschrieben eine runde Sache, dieses Buch, und ein ideales Weihnachtsgeschenk!! Ein Schneidergeselle mit abgeschnittenen Ohren 4 von 5 PunktenWilliam Lithgow war schottischer Schneiderjunge, Weltreisender und Reiseschriftsteller. Er soll angeblich 58.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben. Als er im Jahr 1603 als 21Jähriger unter einem Fenster seine Liebste besang wie einst Romeo seine Julia, schnitten ihm die Brüder der Angebeteten beide Ohren ab. William beschließt daraufhin, in den Orient aufzubrechen, um den Verlust der Ohren unter einem Turban verstecken zu können. Seine Wanderungen führten ihn quer durch Europa, Arabien, Ägypten und Abessinien. Sein Reisetagebuch ist in England erstmals im Jahr 1632 erschienen, wurde dann verschiedentlich neu aufgelegt und erscheint nun zum ersten Mal in deutscher Sprache. Als Herausgeber dieses eigensinnigen und kuriosen Reiseberichts konnte Roger Willemsen gewonnen werden, der ein sehr informatives und kurzweiliges Geleitwort verfasste, das auch ein Portrait des William Lithgows beinhaltet. William Lithgow besaß zweifelsohne eine scharfe Beobachtungsgabe, neigte aber gerne zu Pauschalurteilen und leicht galliger Misanthropie, was aber wiederum die unfreiwillige Komik dieses Buches ausmacht. Zur damaligen Zeit war das Reisen natürlich strapaziös und entbehrungsreich und William Lithgow musste so manche Demütigungen und Gewalttätigkeiten bis hin zur Folter der spanischen Inquisition ertragen. Doch war er ein Stehaufmännchen, trotzte allen Widrigkeiten und kehrte von seinen drei Reisen stets lebendig, wenn auch lädiert zurück. Lithgow nimmt kein Blatt vor dem Mund und seine kultiviert gepflegten Vorurteile, bösen Vorahnungen, drakonischen und polemischen Ansichten sind manchmal penetrant, aber eben auch erfrischend gewitzt und makaber. Er ist ein Querulant und ewiger Besserwisser, doch auch dankbare, versöhnende und lobende Worte finden sich an mancher Stelle. Natürlich nicht zu viel, denn Hohn und Häme kehrten stets zurück, egal ob Katholiken oder Türken, Italiener oder Griechen, ihr Fett bekommen sie alle ab. Die wundersamen Irrfahrten des negativen Odysseus" sind eine erheiternde und ungewöhnliche Leseerfahrung und vermitteln ein Bild der Welt des 17. Jahrhunderts, die ein schrulliger Schotte bereist, lamentierend und doch interessiert. |
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Der Zauberer von Ugo RiccarelliGebundene Ausgabe von ZSOLNAY-VERLAGPreis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 10,44 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3552054774, Erscheinungsdatum: August 2009 |
2 Kundenrezensionen:Bezaubernd 4 von 5 PunktenMich hat das Buch absolut bezaubert, sowohl die liebevolle Darstellung der Charaktere, als auch die Zeit- oder Personensprünge, welches kurzzeitig zwar für Verwirrung sorgen, aber letztlich genau diesen Zauber noch unterstrichen. Vor allem für Leser, die Sprache mögen und sich nicht vor verschachtelten Gedanken scheuen, sehr zu empfehlen. Der Stil erinnerte mich an Alessandro Baricco, welcher zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern gehört. Das Buch verströmte eine Leichtigkeit, baute bunte Bilder vor dem Inneren auf und zeichnete in liebevoller Weise die skurilen Charaktere, sodass sie mir ans Herz wuchsen. Eins der Bücher, über deren Ende man traurig ist, weil man gern weiter in diese faszinierende Welt eingetaucht wäre. La vita é un gioco 5 von 5 PunktenIn seinem neuen Roman erzählt Ugo Riccarelli die Geschichte seines Vaters - ein Bäcker, ein Mechaniker, ein Alchemist, ein ... ein Schwindler, ein Betrüger, ein Spieler dessen counterpart zumal der Faschismus zumal der Krieg oder das Leben für sich ist. Kein übler Kerl wohlgemerkt, dennoch ein kleiner Gauner! In Liebe gezeugt, seine Kindheit in Italien zugebracht, wird er nach dem Tod seines Vaters - des Capomastros - im Krieg nach Afrika entsandt, wo er einige Jahre in Gefangenschaft im Atlasgebirge fristet. Spielerisch beschreibt Riccarelli die Tricks und Luftschlösser, mit denen sein Vater im Leben und die Herzen der Frauen gewinnt. Zwischen den Berichten des Vaters wird das italienische "Paralleluniversum" beschrieben - die Machenschaften des opportunen Onkel Tonio und seiner raffgierigen Frau, die technischen Kunstwerke und der beschämende Bankrott des älteren Onkels Attilio und schließlich die Gutmütigkeit der Mutter, die viel zu früh ihren Ehemann verloren hatte und den Sohn im fernen Afrika vermisst. (Den Charakteren aus "Der vollkommene Schmerz" nicht unähnlich). Erneut unglaublich virtuos tönt Riccarelli in diesem Roman rund um seinen Vater. Er kommt durchwegs ohne Dialoge aus und gibt Erzähltes aus zweiter Hand an uns Leser weiter - zumal herzhaft humorvoll, tückisch und raffiniert, zumal todtraurig und Mark erschütternd. "Der Tod hat weder Augen noch Ohren, er kümmert sich um keinen Rhythmus und keine Straße. Er rechnet nicht, hat nicht die Intelligenz einer Illusion und auch nicht die Schwäche, die das Leben sich erlaubt, nicht die Ausflüchte, die es uns bietet, nicht die Bereitschaft, mit der es zuweilen hinnimmt, dass man es betrügt. Wie in den schwarzen Aufschriften, die der Faschismus groß an die Hauswände in Städten und Dörfern hinterließ, schert sich der Tod um gar nichts." (S97) Grandios! |
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mare - Die Zeitschrift der Meere: Leben im Meer: No 66Gebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 7,50, Angebote ab EUR 2,24 ISBN: 3936543569, Erscheinungsdatum: Februar 2008, Auflage: 1., Aufl. |
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Bretagne von Mathias Bothor, Nikolaus Gelpke, Jan Keith, Martina WimmerGebundene Ausgabe von Mare VerlagPreis bei Amazon: EUR 58,00, Angebote ab EUR 44,50 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3866480075, Erscheinungsdatum: Sept. 2009 |
Eine Kundenrezension:Am Horizont ist Amerika zu erahnen 5 von 5 PunktenFinis Terrea. Weltende. Hier ging es lange Zeit nirgendwo hin, bis zur Entdeckung Amerikas vor nicht einmal 600 Jahren. Daraus ergab sich die Möglichkeit zur Flucht über den Ozean in die Freiheit vor Hunger und vor Verfolgung durch Kirche und Politik. Die Bretagne ist von drei Seiten von Brandung umspült. Kein Ort dieser westlichsten Halbinsel Europas ist weiter als 60 Kilometer vom Meer entfernt. Keltischen Ursprungs der frühere Name "Aremorica" = Land des Meeres, wie man auch wunderbar in "Die Druiden" von Istin, Jigourel und Lamontagne nachlesen kann. Die Vorfahren waren über das Wasser gekommen - von den Britischen Inseln. Sagenumwogen die Erzählungen aus dem Brocéliande, dem bretonischen Forst. Berühmteste Vertreter dürften Asterix und Obelix gleich nach Merlin und dessen Geliebter Viviane sein. Bis 1951 war es nicht erlaubt, Bretonisch zu sprechen. Nach 1945 wurden 819 Männer hingerichtet, manche nur, weil sie bretonische Bücher besaßen. Ein gewisser Eigensinn und eine gewisse Sperrigkeit scheint den Einwohnern der Bretagne anzuhaften. Schon gut 100 Jahre vor der Französischen Revolution haben die bretonischen Bauern gegen drückende Steuerlast und Klassenunterschiede rebelliert. Einen Eindruck von dieser schroffen Landschaft und seinen nonkonformistischen Einwohnern vermittelt uns dieser sehr gelungene Bildband des Berliner Fotografen Mathias Bothor. Gar nicht herausgeputzt präsentieren sich die Ortschaften und Menschen, sondern ganz natürlich. Eigentümliches Licht auf den Fotografien - Dunkelheit und Helligkeit zugleich: Regenwolken über Brest, Wolkengebilde über aufgepeitschter See, Licht und Schatten. Skurrile Felsformationen dürfen nicht fehlen - ein Haus zwischendrin, wenig Grün, Grau- und Brauntöne überwiegend und das Grau-Grün-Blau des Meeres. Trockengefallene Boote - der Tidenhub kann an der Atlantikküste bis zu 15 m betragen. Das entspricht einem vier- bis fünfgeschossigen Gebäude. Die Menschen zeigt Mathias Bothor in Schwarz-Weiß, was den Bildern eine gewisse Strenge, aber auch sehr viel Ausdruckskraft verleiht. Reduziert auf das Wesentliche. Werftarbeiter, ein Elektriker, ein Junge in Fußballkluft, eine Familie auf der Veranda, eine hübsche Bibliothekarin, zwei Auswanderer aus England, Fischer, eine Lehrerin beim Strandspaziergang, ein Ehepaar, das eine kleine Pension betreibt usw.. Ich finde diesen Bildband außerordentlich gelungen. Auf einer Landbrücke ist ein villenähnliches, einsames Haus zu sehen. Das erinnert mich an den Film "Die Frau des Leuchtturmwärters" mit Sandrine Bonnaire, der z.T. auf der Insel Quessant vor Brest spielt. Dort umtost das Meer den Leuchtturm "La Jument". Nicht jedes einzelne Bild ist im Buch beschriftet. Man findet aber im Anhang eine Verkleinerung aller Fotografien mit erläuternden Untertiteln. Martina Wimmer von mare-online hat eine sehr schöne Einleitung über Land und Leute geschrieben. Eine Übersichtskarte findet man nach dem Vorwort. Ich bin beeindruckt. |
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